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Tabakfabriken Gottlob Nathusius

Die Firma "Gottlob Nathusius" erhielt ihren Namen am 01.06.1787. Diese Firma, eine Tabakfabrik, geht auf die Firma "Richter & Nathusius" zurück, die am 01.09.1785 von Johann Gottlob Nathusius, zusammen mit Wilhelm Richter in Magdeburg gegründet wurde. Wilhelm Richter war der Schwager des ehemaligen Arbeitgebers von Johann Gottlob Nathusius, Johann Julius Sengewald, der am 14.04.1785 gestorben war. In Folge war Johann Gottlob Nathusius zunächst Geschäftsführer der angesehenen Senegwald'schen Grosshandlung geworden, kurze Zeit später übernahm er das Geschäft auf eigene Rechnung. Mit dem Tod König Friedrichs des Grossen (am 17.10.1786) beginnt eine neue Epoche für die Firma. Da die neue Regierung Mitte 1787 das bis dahin bestehende Tabakmonopol aufhob, machte Nathusius aus dem bisherigen Handelsgeschäft eine Tabakfabrik.
 
© Mark Nikolaus von Nathusius

Die Fabrik entwickelte sich gut und erwarb sich schnell einen seriösen Ruf. Als bei der Wiedereinführung des Tabakmonopols kurze Zeit später ein tüchtiger Verantwortlicher für dieses königlich-preussische Geschäft gesucht wurde, fiel deshalb die Wahl auf Johann Gottlob Nathusius, der so zum preussischen General-Fabrikdirektor ernannt wurde.

Nach dem Regierungsantritt von König Friedrich Wilhelm III. wurde 1797 das Tabakmonopol erneut aufgehoben, und Nathusius konnte wieder seine Magdeburger Fabrik übernehmen.

   
Mitteilungen über die zukünftige Verwendung von Markenzeichen durch Johann Gottlob Nathusius, 01.07.1815,
© Mark Nikolaus von Nathusius

Zu der Zeit, als Magdeburg zum Königreich Westfalen gehörte und eine Belagerung der Stadt bevorstand, verlegte Johann Gottlob Nathusius seine Tabakfabrik am 28.08.1813 von Magdeburg nach Althaldensleben, wo er bereits ein aufgelassenes Kloster gekauft und einige andere Fabriken gegründet hatte. Nach dem Rückzug der Franzosen wurde die Tabakproduktion am 04.05.1814 wieder nach Magdeburg in die Strasse Breite Weg 175-177 verlegt.

Am 23.07.1835 starb Johann Gottlob Nathusius. Die bisherigen Prokuristen G.A. Hillebrand und Jacob Steinbrück sowie der Neffe von Johann Gottlob, Moritz Nathusius, wurden als Teilhaber aufgenommen und führten die Firma nun auf Rechnung der Erben weiter.

Am 01.01.1849 traten Hillebrand und Steinbrück aus der Firma aus, und Moritz Nathusius übernahm die Firma auf eigene Rechnung. Zu der bis dahin betriebenen Herstellung von Rauch-, Kau- und Schnupftabak wurde nun auch die Fabrikation von Zigarren aufgenommen. Die Zigarren-Produktion wurde weiter ausgebaut, vor allem als mit Gottlob (II) Nathusius, Sohn des Moritz Nathusius, am 01.01.1875 die dritte Generation als Teilhaber in die Firma aufgenommen wurde.

Preislisten von 1839, © Mark Nikolaus von Nathusius

Am 27.12.1886 starb Moritz Nathusius und sein Sohn Gottlob (II) übernahm die Firma. Da das Zigarrengeschäft stetig expandierte, mussten ausserhalb Magdeburgs Zweitwerke angelegt werden. Am 01.04.1906 wurde dann die alte Fabrik aufgegeben und moderne Fabrikationsräume in der Strasse Altes Brückentor 8-10 bezogen.

Am 14.04.1906 starb Gottlob (II) Nathusius wenige Tage nach dem Umzug in die direkt an der Elbe gelegene, neue Haupt-Fabrik. Sein Sohn Gottlob (III) Nathusius übernahm das Geschäft - er war bereits seit dem 10.10.1899 als Prokurist tätig und ab dem 01.01.1904 als Teilhaber in die Firma aufgenommen worden.

In den folgenden Jahren wurde die ursprüngliche Tabakherstellung nach und nach von der Zigarrenproduktion verdrängt, bis schliesslich, vor dem ersten Weltkrieg, in den verschiedenen Werken der Tabakfabrik "Gottlob Nathusius" rund 100 verschiedene Zigarren-Sorten hergestellt wurden.

Die Filial-Fabriken befanden sich in Calbe, Mihla (Werra) sowie Heiligenstadt. In der Magdeburger Zentral-Fabrik wurden - neben der dortigen Zigarren-Produktion - auch die in den Zweig-Fabriken hergestellten Zigarren verarbeitet. In Magdeburg erfolgte das Sortieren und Verpacken dieser Produkte. Ebenso waren hier die Kistenfabrikation, das Lager, der Versand und das Kontor (Verkauf, Buchhaltung) untergebracht.


Zentralfabrik Magdeburg und Zweigfabrik Calbe a.S., © Heiko Schmietendorf

Die damals verwendete Schutzmarke der Produkte aus den Nathusius-Fabriken war "Gonama", gebildet aus den jeweils ersten zwei Buchstaben der Namen in der Firmenbezeichnung "Gottlob Nathusius Magdeburg".

© Mark Nikolaus von Nathusius

Nach dem Tode von Gottlob (III) Nathusius 1936 wurde der bisherige Prokurist Schade als Geschäftsführer eingesetzt. Erben der Firma und der Fabriken waren die Witwe und die beiden Kinder des Gottlob Nathusius, Marga Kokott, geborene Nathusius sowie der damals 11-jährige, Gottlob (IV) Nathusius.

Noch vor seinem Tode hatte der Alteigentümer Gottlob (III) Nathusius ein neues Grundstück in Magdeburg erworben, die Königgrätzerstr. 20. Dort wurde nun die Fertigung konzentriert, der Standort in Mihla wurde jedoch beibehalten.


© Mark Nikolaus von Nathusius

Am 16.01.1945 wurde das Fabrikgebäude in Magdeburg durch Bomben schwer beschädigt. Die Fabrikation lief unter schwierigen Bedingungen weiter. Nach Rückkehr von Gottlob (IV) Nathusius 1946 aus der Kriegsgefangenschaft, wurde er zunächst Lehrling und darauf folgend am 01.09.1947 als Teilhaber der Firma aufgenommen.

Der Wiederaufbau der Fabrik erfolgte 1946 und 1947 trotz Mangels an Baumaterial. Die Zweigfabrik in Mihla wurde aber geschlossen. Die Produktion wurde in Magdeburg 1947 wieder aufgenommen. 1950 wurde die in fünfter Generation geführte Traditionsfirma enteignet und stillgelegt.


© Mark Nikolaus von Nathusius

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