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Schricke


© Günter Adolphs
 
Ein Gut in Schricke (damals noch Schrikke) wird zunächst als ein Vorwerk des magdeburgischen Lehens (Schloss Angern) der Grafen Schulenburg genannt. Erst etwa Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte Schricke sich zu einem selbständigen Rittergut. 1803 wurde das Gut vom Preussen-Prinzen Louis Ferdinand (1772 - 1806) erworben. Er war ein Neffe Friedrichs des Grossen und am Berliner Hof des
Königs (Friedrich-Wilhelm II.) wegen seines ausschweifenden Lebensstiles und seiner Kritik am Basler Frieden (1795) nur ungern gesehen.

Im Februar 1795 hatte der König deshalb dem Prinzen ein in Magdeburg stationiertes Infanterieregiment unterstellt, um ihn so in die Provinz abzuschieben. Zunehmend verbittert, flüchtete der sich in Alkohol und Liebesaffären. Im Jahr 1800 lernte er die aus einer Magdeburger Beamtenfamilie stammende Henriette Fromme kennen. Aus dem Verhältnis gingen zwei Kinder hervor: Anton Albert Heinrich Ludwig, der wie sein Vater Louis oder Loulou gerufen wurde, und Blanche (bzw. Blanka), der Louis Ferdinand den Kosenamen "Cocotte" gab. Sie erhielten später von König Friedrich Wilhelm III. den Namen "von Wildenbruch" zuerkannt. Der Enkel des Prinzen war der bekannte Dichter Ernst von Wildenbruch.
 

© Hans Dieter Müller

Von 1803 bis 1805 liess Louis Ferdinand in Schricke das alte Gutshaus durch ein Schloss ersetzen. Hier lebten zeitweise Henriette Fromme und ihre Kinder mit dem Prinzen. In der Schlacht von Saalfeld 1806 fiel Louis Ferdinand, nachdem er sich geweigert hatte, sich zu ergeben. Napoleon zollte dem Heldentod des Gegners seinen Respekt. Louis Ferdinand war bei seinem Tode hoch verschuldet und so versteigerten die Gläubiger in den nächsten Jahren seine Besitztümer. Johann Gottlob Nathusius kaufte Schloss und Gut Schricke 1814 gemäss westfälischem Recht. Er begann mit umfangreichen Sanierungs- und Bepflanzungsarbeiten und legte eine Brennerei an. Nach Vertreibung der französischen Besatzer erkannte das nun regierende Preussen die unter Besatzungsrecht abgeschlossenen Kaufverträge in Westfalen aber nicht mehr an und enteignete Nathusius. Jahre später kam das Gut dann noch einmal zur Versteigerung, jetzt bot Nathusius aber nicht mehr mit. Im folgenden gelang das Gut in die Hände der Familie Himburg. Das Schloss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.

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