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Wilhelm Engelhard von Nathusius

Wilhelm Engelhard von Nathusius wurde am 27.06.1821 als sechstes von acht Kindern des Johann Gottlob Nathusius in Hundisburg geboren. Nach abgeschlossener Vorbildung studierte er in Paris und Berlin Chemie. 1843 übernahm er die Güter Königsborn und Wahlitz, die sein Vater noch ein Jahr 1834 erworben hatte. Er bewirtschaftete beide bis 1888, verkaufte sie dann, und verbrachte seinen Lebensabend in Halle. N. war ein vielseitig interessierter, engagierter Landwirt, der die Entwicklung der Landwirtschaft seiner Zeit entscheidend mit beeinflusst hat. In seinen Veröffentlichungen spiegelt sich die Breite seiner anregenden Tätigkeiten, etwa in seinen Berichten über neue Anbauarten (Mais, Topinambur, Lupinen, Futterrüben u. a.), über Guano- und Gründüngung oder Drainage wider. Er besprach neue Geräte und Maschinen, besonders den Betrieb des ersten Dampfpfluges in Preußen auf Königsborn 1863/64 (vorher in Wanzleben!). Er berichtete über seine Erfahrungen in der Tierzucht, insbesondere über schwere Schrittpferde, Milchkühe, Schafe, über Körordnungen und Fütterungsversuche. Die Wolle der Schafe und ihre Eigenschaften behandelte Wilhelm Engelhard von Nathusius grundlegend, auch den Tierseuchen und ihrer Bekämpfung bzw. deren Vorbeugung wandte er sich zu. In seinen "Untersuchungen über nichtzelluläre Organismen, namentlich Krustazeenpanzer, Molluskenschalen und Eihüllen" (1877) bekämpfte er die zeitgenössische Zellentheorie. Bemerkenswert sind seine Bemühungen (mit Hermann von Nathusius) um Anschauungsmittel für Tierzüchter wie Wandtafeln oder Fotografien. Er trat in vielen Vereinigungen hervor, wie im Verein zur Anschaffung edler Halbblutstuten (1844 ff.), im Landwirthschaftlichen Central- Verein der Provinz Sachsen (hier 1844 ff.), wo er Mitglied der Wissenschaftlichen Deputation (1850 ff.) und der Central- Deputation zur Förderung der Pferdezucht sowie 1869-1894 Direktor dieses Vereins war. Er gehörte dem Königlich- preussischen Landes-Oekonomie-Collegium (1852-78) und seit ihrer Gründung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft an, in deren Verwaltungsrat er 1890 tätig war. Seit 1877 stand N. dem Knaben-Rettungshaus in Königsborn vor. 1855-1859 gehörte er der Fraktion der Konservativen Partei um Ludwig von Gerlach im Preußischen Abgeordnetenhaus an. Wilhelm Engelhard von Nathusius starb am 25.12.1899 in Halle.


Wilhelm Engelhard von Nathusius mit seiner Frau Marie, geb. von Meibom. Kohlezeichnung, © Oda Nowrath

Werke: Tagebuch über die Versuche mit dem Fowlerschen Dampfpflug, in: Zs. des landwirthschaftlichen Central-Vereins der Provinz Sachsen 21, 1864, Seiten 1-8 und 178-181; Das Wollhaar des Schafes in histologischer und technischer Beziehung, mit vergleichender Berücksichtigung anderer Haare und der Haut, 1865; Wandtafeln für den naturwissenschaftlichen Unterricht (2 Tl.), 1871-1873; Die prohibitiven Körordnungen, ihre gesetzliche Zulässigkeit und wirthschaftliche Bedeutung, 1881; Die landwirthschaftlichen Verhältnisse in der Umgegend, in: Fs. für die Theilnehmer der 57. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Magdeburg, 1884; Die Vorgänge der Vererbung bei Haustieren, 1891

Literatur: Bio-Jahrbuch 4, 1900; Meyers Konversations-Lexikon, Bd. 14, 61908, Seiten 441 f.; Heinrich von Mendel-Steinfels, Fs. des landwirtschaftlichen Central-Vereins der Provinz Sachsen, 1893; Simon von Nathusius, Wilhelm von Nathusius, in: Landwirtschaftliche Wochenschrift für die Provinz Sachsen II, 1900, Seite 34; Konrad zu Putlitz/Lothar Meyer (Hg.), Landlexikon, Bd. 4, 1913; Christian Mommsen, Entwicklung der Pferdezucht und des Pferdezucht-Verbandes der Provinz Sachsen. Die bisher wichtigsten Blutlinien des Zuchtbezirkes. Hg. zum 25-jährigen Bestehen des Pferdezucht-Verbandes der Provinz Sachsen, 1924; Ludwig Gebhardt, Die Ornithologen Mitteleuropas, 1964, Seite 254.

Autor: Heinz Nowak (Magdeburger Biographisches Lexikon)

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