Martin Friedrich Engelhard von Nathusius
Martin
von Nathusius wurde 1843 in Althaldensleben
als zweitältester Sohn des Begründers der Neinstedter Anstalten,
Philipp Engelhard von Nathusius,
geboren. Er verlebte seine Jugend vorwiegend in Neinstedt.
Nach Abschluss des Abiturs in Quedlinburg studierte er Theologie
in Heidelberg und Halle. Als sein Vater 1873 starb, wurde
er von seiner Tätigkeit an der Wernigeroder Kirche auf eine
Stelle zur St. Benedektiner-Kirche nach Quedlinburg versetzt,
um so das auf ihn übergegangene Amt des Vorstehers der Neinstedter
Anstalten ausüben zu können.
Bereits
1871 hatte er die Chefredaktion des wöchentlich
erscheinenden "Volksblatts für Stadt und Land
zur Belehrung und Unterhaltung" (1844-1878)
von seinem Vater übernommen, die er später allerdings
wieder abgab. Das Amt des Vorstehers der Neinstedter
Anstalten behielt er bis zu seinem Tode inne, und
selbst aus grosser Entfernung konnte er es später
gewissenhaft betreiben und so klärend in Anstaltsbelange
eingreifen. Seiner Menschenkenntnis ist es zu verdanken,
dass Pfarrer Kobelt als Anstaltsleiter nach Neinstedt
berufen, und nach dessen Tod Otto Steinwachs als
Nachfolger ausgewählt wurde.
1885
wurde Martin von Nathusius als Pfarrer nach Barmen
versetzt, 1888 erreichte ihn der Ruf auf eine Professur
für praktische Theologie an die Universität Greifswald.
Er vertrat dort die
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"Volksblatt
für Stadt und Land zur Belehrung und Unterhaltung",
Ausgabe von 1847, © Wilfried Sietz |
"biblizistische"
Theologie und war der Begründer (28.04.1897) der freien "Kirchlich-sozialen
Konferenz" (KSK, ab 1918: "Kirchlich-sozialer Bund").
Zu dem damaligen Kreis der Konferenz gehörten Adolf Wagner,
Ernst Böhme, Cremer, Böckler, Haußleitner und Ludwig Weber.
Mit einem anderen Gründungsvater, Adolf Stoecker (1835-1919,
Gründer der Christlich-Sozialen Arbeiterpartei, Reichstagsabgeordneter,
Herausgeber der "Neuen evangelischen Kirchenzeitung",
Hof- und Domprediger in Berlin, Vertrauter Kaiser Wilhelms
II., Gegner der Bismarck'schen Sozial- und Wirtschaftspolitik),
war er eng befreundet. Später zog er sich von der, umfangreiche
Reformen anmahnenden Konferenz zurück.
Martin
von Nathusius heiratetet 1872 Helene von Stosch, aus der
Ehe stammten drei Töchter. Bereits 1881 verstarb seine Frau;
in zweiter Ehe war er mit Elisabeth von Wißmann verheiratet
(4 Kinder). In Greifswald führte er ein gastfreies Haus,
besonders seine Studenten waren häufig zu Gast bei ihm.
Im November 1904 erlitt Martin von Nathusius einen Schlaganfall,
1906 verstarb er und wurde in Neinstedt beigesetzt.
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