Gottlob
Karl Engelhard von Nathusius
Der
älteste Sohn des Gutsbesitzers und Landwirts Joachim
von Nathusius erhielt zunächst Privatunterricht auf
dem väterlichen Gut und besuchte später das Gymnasium
Neuhaldensleben, das er 1904 mit dem Abitur abschloß.
Einer Militärausbildung in Stendal (1904/05) folgte
ein Landwirtschaftstudium in Halle (1905-1907) und
Berlin (1907-1908). Nach einer mehrmonatigen, weiterbildenden
Reise durch die USA übernahm er 1909 die Pachtung
des von der Schulenburg'schen Gutes in Emden/Kreis
Neuhaldensleben. 1914 einberufen und bis zum Kriegsende
an Gefechten in Nordfrankreich beteiligt, überstand
er als Rittmeister der Rerserve den ersten Weltkrieg
unversehrt. Nach dem Tod des Vaters (1915) wurde er
Besitzer des Stammgutes Hundisburg,
das er fortan bewirtschaftete. Neben der führenden
Merinofleischschaf- und Rindviehzucht widmete er sich |
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Joachim von Nathusius |
insbesondere Vermehrungszuchten von Zuckerrüben und
Kartoffeln, dem ertragssteigernden Zwischenfruchtanbau
und Versuchen mit Edelobst. Bis 1945 hatte Gottlob
von
Nathusius
führende Funktionen in regionalen Verbänden der Landwirtschaft
und in dieser nachgeordneten Verwertungsindustrien
inne. Bemerkenswert war auch sein karitatives Engagement,
u. a. für die Anstalten in Neinstedt
und Detzel. Nach der Enteignung seines gesamten Besitzes
nach Kriegsende konnte er sich der drohenden Verhaftung
und Ausweisung am 21.09.1945 nur durch die Flucht
entziehen. Überregionale Anerkennung erwarb sich Gottlob
von Nathusius als Vogelsammler und Ornithologe. Seine
etwa 1895 beginnende Sammeltätigkeit von Vogelpräparaten
mündete bald in den systematischen Aufbau einer reinen
Lokalsammlung mit vielen Seltenheiten, die 1941 bereits
235 Arten in rund 600 Stopfexemplaren umfasste. Parallel
dazu entwickelte er im Aller-Verein, dem er seit 1906
als Mitglied angehörte, eine rege Vortragstätigkeit.
In der Vereins-Zeitschrift publizierte er ab 1911
Beiträge zur Avifauna der Region, die später ihren
Weg auch in überregionale Fachzeitschriften
fanden.
Darüber hinaus erfuhr sein aktiver Einsatz für den
regionalen Vogelschutz, insbesondere für die Einrichtung
von Vogelschutzgebieten, die Vogelhege und -beringung,
breite fachliche Anerkennung. Seit 1924 war er Mitglied
der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft,nseit
1927 korrespondierendes Mitglied der Ornithologischen
Vereinigung Magdeburg, seit 1940 Beirat des Landesbundes
für Vogelschutz Sachsen-Anhalt und 1942 aktiv an der
Gründung der Ortsgruppe Haldensleben des Reichsbundes
für Vogelschutz beteiligt. Seine beim Brand des Schlosses
Hundisburg im November 1945 teilsweise zerstörte und
durch Umlagerungen in der Nachkriegszeit zerstreute
Sammlung befindet sich gegenwärtig, weitgehend zusammengeführt,
im Museum Heineanum in Halberstadt.
Werke:
Die Vogelarten des Kreises Neuhaldensleben, in:
Aus dem Aller-Verein, 1911, Seiten 32-56 (auch separat);
Die Vogelarten des Kreises Neuhaldensleben, in:
Franz Bock, Heimatkunde des Kreises Neuhaldensleben,
1920, Seiten 54-63; Artenverzeichnis der Vogelsammlung
von Gottlob von Nathusius in Hundisburg, Kreis Neuhaldensleben,
Regierungsbezirk Magdeburg, 1925, 1930, 1936; Meine
Vogelsammlung mit Beobachtungen aus den Jahren 1904-1939,
in: Beiträge zur Avifauna Mitteldeutschlands 3,
1939 (Sonderh.), Seiten 1-26.
Literatur:
Ludwig Gebhardt, Die Ornithologen Mitteleuropas,
1964, Seite 254; Lilly von Nathusius, Familien-Chronik,
Ms. 1964; Reinhold Brennecke, Das Lebenswerk des
Ornithologen Gottlob von Nathusius (1884-1948),
in: Jahresschriften des Kreismuseums Haldensleben
25, 1984, Seiten 77-82; ders., Gottlob von Nathusius
(1884-1948) als Ornithologe und Vogelsammler, in:
Jahresschriften der Museen des Ohrekreises 5, 1998,
Seiten 55-82 (B).
Autor:
Guido Heinrich (Magdeburger Biographisches Lexikon)
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