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Der Ohre-Kreis

Seinen Namen hat der Kreis zwischen Magdeburger Börde und Altmark von dem Fluß Ohre, der neben der Aller und den Barleber und Jerslebener Seen das wichtigste Gewässer der Region ist. Auf den fruchtbaren Böden der südlichen Börde werden seit langem Weizen und Zuckerrüben angebaut, im Nordwesten Kartoffeln. Auch die Senke des Drömling, zwischen 1770 und 1800 durch umfangreiche Entwässerungsmaßnahmen urbar gemacht, ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Seit Ende des 18. Jahrhunderst ging die Landwirtschaft zugunsten der Industrialisierung jedoch zurück. Wesentlichen Anteil daran trug Johann Gottlob Nathusius.

Geschichtlicher Ueberblick

Die Region, deren Mittelpunkt Haldensleben bildet, ist seit langem von Menschen besiedelt. Waren es ursprünglich Sammler und Jäger, die dieses Land durchstreiften, wurden hier im vierten Jahrtausend vor Christus die ersten Menschen der Jungsteinzeit sesshaft. Sie rodeten vor rund 4.500 Jahren erstmals Wälder, erbauten feste Siedlungen und beherrschten die bis dahin in dieser Gegend unbekannten Handwerkstechniken der Weberei und Keramikherstellung.

In den Wäldern südlich und westlich von Haldensleben befindet sich die größte Konzentration von Gross-Steingräbern Mitteleuropas. Sie liegen innerhalb der sogenannten "Historischen Quadratmeile". Dieses Waldgebiet besteht aus dem Althaldenslebener Kiefholz, dem Hundisburger Bauerholz, der Veltheimsburger Heide sowie dem Dönstedter Wald und ist territorial der Stadt Haldensleben und der Gemeinde Bebertal zugeordnet. Einzelne Großsteingräber sind auch in den angrenzenden Wäldern von Süplingen, Emden und Erxleben zu finden.

Es sind noch heute 83 Anlagen erhalten, ausserdem lassen sich 44 zerstörte Anlagen nachweisen. Die typische, hier verwendete Grabform ist das Ganggrab, das aus Granitfindlingen errichtet wurde und von einem Hünenbett - der Steineinfassung - umgeben war. Die Gräber wurden in West-Ost-Ausrichtung errichtet und hatten einen Zugang auf der südlichen Längsseite.

In den Haldenslebener Gräbern wurden Skelettreste, Steinwerkzeuge und Keramikscherben gefunden. Die Scherben konzentrierten sich besonders im Eingangsbereich, darum ist von einer gesonderten Opfergabe auszugehen. Grabkonstruktion und Beigaben zeigten, das die frühen Bewohner der damals weit verbreiteten Trichterbecherkultur zuzurechnen sind.

Die Trichterbecherkultur

Die Einführung des Ackerbaus, verbunden mit der ersten Haustierhaltung, ließ die Menschen der Steinzeit allmählich sesshaft werden. Nachgewiesen ist der Anbau von Einkorn, Emmer und Gerste. Wilde Ziegen und Schafe wurden gezähmt. Eine der frühen Kulturen der Jungsteinzeit ist die so genannte Trichterbecherkultur, eine jungneolithische Kulturgruppe, die die Archäologie etwa von 3500 bis 2800 v. Chr. datiert. Benannt nach den typischen Bechern mit trichterförmigem Rand. Weitere charakteristische Gefässe mit bauchigem Gefässkörper und meist zylindrischem oder leicht trichterförmigem Hals hatten zwei oder vier Ösenhenkel am Halsansatz oder auf dem Gefässbauch. Sie werden

 
als Amphoren bezeichnet. Typisch für die Trichterbecherkultur waren die Kragenflaschen, kleine Gefässe mit kugeligem oder birnenförmigem Körper. Das Oberteil wurde ähnlich einem Flaschenhals ausgebildet und wies eine kragenförmige Ausstülpung auf. Runde Scheiben aus Ton dienten als Backteller zur Zubereitung von Fladenbrot. Sie wurden sicher auch zur Abdeckung von Gefässen und anderweitig verwendet. Besonders große Gefässe wurden mehrfach als Vorratsspeicher im Siedlungsgelände vergraben.

Die Menschen dieser Kultur waren die Erbauer der imposanten Hünengräber, die wissenschaftlich korrekt Megalithgräber heißen und mit mächtigen, aus Skandinavien stammenden Findlingen errichtet wurden. Die Forschung geht davon aus, dass diese Gross-Steingräber neben ihrer Funktion als Grabstätte auch Kult- und Gerichtsstätten waren.

 

Neben der reich verzierten Keramik wurden Werkzeuge für die Holzbearbeitung sowie Feuersteinbeile gefunden. Die typische Bestattungssitte der Trichterbecherkultur war die Körperbestattung in Hocklage in Steinkisten.

Die Trichterbecherkultur trat im östlichen Mittel-Europa, in Nordwestdeutschland den Niederlanden und in Südskandinavien auf. Das Entstehen der Einzelgrabkultur kennzeichnete das Ende dieser Phase. Die Bezeichnung Trichterbecherkultur wurde von dem polnischen Archäologen Konrad Jadzewski eingeführt.

Im zweiten Jahrhundert gebrauchte der griechische Geograf und Astronom Ptolemaios die Bezeichnung "Sachsen" für die Angehörigen eines germanischen Stammes in Holstein. Dieser Ausdruck stammte möglicherweise von der Bezeichnung des Sassen (dem Ansässigen), und spielte auf die relative Bodenständigkeit dieses Germanenstammes in der bewegten Zeit der Völkerwanderung an. Mit größerer Wahrscheinlichkeit ist er aber auf die Sax zurückzuführen, das kurze, einschneidige Schwert, das damals als Waffe weit verbreitet war.

Im fünften Jahrhundert entstand das Thüringer Reich als lockeres Gebilde, welches sich vom nordöstlichen und südlichen Harzvorland, von der Ohre bis ins Thüringer Becken erstreckte. Die Thüringer wurden in Folge zunächst von den Hunnen unterworfen und tributpflichtig gemacht.

Sie befreiten sich im Jahr 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern von der Vorherrschaft der Hunnen. Das Thüringerreich dehnte sich von nun an weiter nach Norden bis in die Altmark, nach Osten bis zur mittleren Havel und zur Elbe bei Riesa aus. In südlicher Richtung drangen die Thüringer in das Maingebiet vor und plünderten die Donauprovinzen.

Unter König Hermenefried (Irminfried) erreichte das Thüringerreich um 530 seine größte Ausdehnung. Das heutige Gebiet des Ohrekreises deckt sich im Wesentlichen mit der Nordhälfte des zum Thüringerreich gehörenden Nordthüringau.

Ein Jahr später gelang es den Franken - gemeinsam mit den Sachsen -, das Reich der Thüringer zu vernichten und sie tributpflichtig zu machen. Mehrfach versuchten die Thüringer noch vergeblich, die fränkische Herrschaft abzuschütteln. In Folge liessen die Sachsen sich mit Zustimmung der Franken in den ehemals thüringischen Gebieten nieder und zahlten dafür einen jährlichen Tribut in Höhe von 500 Rindern.

Die Merseburger Zaubersprüche entstanden etwa um 750. Es handelte sich um zwei althochdeutsche Zauberformeln, die als älteste bekannte Literaturdenkmäler der Germanen gelten. Sie wurden in einer Handschrift der Merseburger Dombibliothek aus dem 9. Jahrhundert gefunden.

In den sogenannten Sachsenkriegen unterwarf und missionierte Karl der Grosse (768-814) die Sachsen. Im Jahr 780 stiess er bis zur Elbe vor und errichtete bei Magdeburg und Halle Befestigungen. Das Herzogtum Sachsen wurde in das Frankenreich eingegliedert.

Die 802 in Osterwieck gegründete und nach Halberstadt umgesiedelte Missionsstation wird von Karl dem Grossen zum Bistum erhoben.

Der Sachsenherzog Heinrich (912-936) wurde im Jahr 919 erster deutscher König. Er konnte sich in der Folgezeit in einer Reihe von Kämpfen gegen seine Widersacher erfolgreich behaupten. Damit verlagerte sich das politische Gewicht vom Rhein-Main-Gebiet in das Gebiet zwischen Harz und Elbe. Heinrich I. wurde nach seinem Tod im Jahr 936 in der Stiftskirche zu Quedlinburg beigesetzt.

Königspfalz Tilleda

Erstmalig wurde eine (vermutlich mit Palisaden) befestigte Anlage im heutigen Sachsen-Anhalt im neunten Jahrhundert im "Breviarium Lulli" genannt. Im Jahr 975 wurde Tilleda in der Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu als Kaiserlicher Hof bezeichnet und ihr als Witwengut zugesprochen. Tilleda (Landkreis Sangerhausen) liegt am Nordrand des Kyffhäusergebirges. Der Südharz ist

 
10 Kilometer entfernt. Als einzige vollständig ausgegrabene Pfalz gilt Tilleda, nicht zuletzt wegen der vorbildlichen Publikation durch den Ausgräber Paul Grimm, als ein Musterbeispiel für eine hochmittelalterliche, deutsche Pfalz.

Ab 974 wurde die Pfalz regelmässig als Ausstellungsort von Dokumenten der Kaiser Otto II, Otto III., Konrad II. und Heinrich III. erwähnt. Bis 1042 fanden Umbauarbeiten an der Burg statt. Im 11. Jahrhundert verlor die Pfalz dann ihre militärische Bedeutung und wurde von den neuen Burgen auf dem Kyffhäuser abgelöst. 1174 wurde die Burg noch einmal erwähnt, weil Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) hier sein Heer sammelte, um gegen die Stadt Alessandria zu ziehen. Kurze Zeit später wurde die Anlage als Herrscher-Pfalz aufgegeben.

Haldensleben wurde 968 erstmals erwähnt. In einer Urkunde Ottos des Grossen findet sich die erste Erwähnung eines Ortes "Hahaldeslevo". Diese Stadt war Hauptort der Grafschaft Haldensleben. In einem Dokument vom 10. Jahrhundert wurden die Grafen von Walbeck und Haldensleben, die zeitweise auch Grafen der Nordmark (Altmark) waren, genannt.

Der Welfenherzog Heinrich der Löwe gründete vermutlich gegen 1150 die Marktsiedlung Neuhaldensleben. Spätestens ab dann erhielt Haldensleben die Stadtrechte. Nachdem Herzog Heinrich seine Besitzungen um Haldensleben ausgebaut hatte, kam es in den deshalb immer wieder aufflackernden Kämpfen mit dem Bistum Magdeburg 1181 zu einer zweijährigen Belagerung durch Bischof Wichmann von Magdeburg. Er ließ seine Truppen die Stadt völlig zerstören, nachdem er sie dadurch erobert hatte, dass er die Ohre (in deren Urstromtal Haldensleben liegt) aufstauen ließ, die Stadt so unter Wasser setzte und damit zur Aufgabe zwang. Ab 1215 gehörte Haldensleben zum Erzbistum Magdeburg. Seit dem Zeitpunkt ist der heutige Ohrekreis magdeburgisch.

Der Wiederaufbau der Stadt begann gegen 1223 durch den Magdeburger Erzbischof Albrecht II. Die bis heute in der Altstadt bestehenden rechtwinklig angelegten Quartiere zeugen von der planmäßigen Entwicklung des Aufbaus. 1228 begründete Albrecht II. dann auch ein Zisterzienserinnen-Kloster, das bis 1810 bestand. Zur Bildung der städtischen Strukturen in Neuhaldensleben ist auch die Gründung des ersten Stadtrates im Jahr 1277 zu rechnen.

Anfang des 13. Jahrhunderts verfasste der Rechtsgelehrte Eike von Repgow den Sachsenspiegel, ein bedeutendes Rechtsbuch, das sowohl Privat- und Strafrecht als auch Verfahrens- und Staatsrecht behandelte. Wie Repgow in seiner Einleitung schrieb, wollte er den Sachsen "einen Spiegel" vorhalten und das Recht auch in einer Bilderhandschrift den Analphabeten verständlich machen.

1419 wurde erstmals ein bedeutendes Haldenslebener Denkmal erwähnt - der Roland. Als einzige Roland-Figur auf deutschem Boden handelte es sich seit 1528 um ein Reiterstandbild.

Der reitende Roland

In den Stadtbüchern Haldenslebens gibt es einen Vermerk aus dem Jahre 1419, in dem ein Haus gegenüber dem Roland (hus kegen dem roland) erwähnt wird. Die zweite Erwähnung findet sich 55 Jahre später in derselben Quelle. Es handelt sich um einen Rechtsstreit "vor dem Roland".

Über Aussehen und Material des ersten Rolands ist nichts bekannt. Es wird vermutet, dass er aus Holz und noch ohne Pferd war. Dem Wetter ständig ausgesetzt, verlor das Standbild vermutlich schnell an Festigkeit. Dieser Roland stand wahrscheinlich an der Südwestecke des Marktes.

Der zweite Roland

Der Magdeburger Pfarrer Georg Torquatus schrieb in seinen Annalen, dass im Jahre 1528 eine "Equestris statua rolandi in Haldensleben" errichtet worden ist - eine Rolandsstatue zu Pferd. Diese war aus Stein und wurde auf dem Platz des alten Rolands aufgestellt. Torquatus berichtete weiterhin, dass die Statue herumgedreht werden konnte. Der Roland wurde jeweils so gedreht, dass er dem Landesfürsten entgegensah, wenn dieser in die Stadt kam. Das war bis 1793 möglich. In diesem Jahr rückte der Roland von seinem Standplatz an der Ostseite des Marktplatzes auf die Nordseite vor das 1705 fertiggestellte Rathaus. Zum letzten Mal wurde der Roland am 12. Juni 1733 gedreht. Damals passierte Friedrich Wilhelm I. in Begleitung der Kronprinzen Friedrich auf dem Wege zu dessen Hochzeit die Stadt Haldensleben.

Trotz häufiger Reparaturen stellte sich nach dem Ersten Weltkrieg heraus, dass die Rolandsfigur nicht mehr zu halten war. 1925 beschloss das Stadtparlament die völlige Erneuerung des Reiterstandbildes. Nach einem Gipsmodell entstand so der heutige reitende Roland aus einem zehn Tonnen schweren badischen, wetterharten Kalkstein. Er ersetzte im Sommer 1927 seinen Vorgänger, der ins Museum umzog, wo er noch heute zu sehen ist.
 
Warum der Roland in Haldenleben als Reiter dargestellt wurde, ist noch ungeklärt. Eine Möglichkeit wäre, dass der Magdeburger Reiter als Vorbild diente. Auch ist ungewiss, wer der dargestellte Reiter sein könnte. Viele Betrachter sahen in ihm Heinrich den Löwen, andere Otto den Großen und der Rolandsforscher Sello vermutete Karl V., der damals auf der Höhe seines Ruhmes war. Ziemlich sicher ist, dass die Rolande als Rechtssymbole aufgestellt wurden. So ist der zweite Haldenslebener Reiter, der 1528 aufgestellt wurde, in Verbindung mit der Verleihung des Marktrechtes 1526 zu sehen.

Die Universität in Wittenberg, eine der ältesten Universitäten im deutschsprachigen Raum wurde 1502 gegründet.

1526 erhielt die Kaufmannssiedlung Haldensleben von Erzbischof Albert das Privileg, drei freie Jahrmärkte und einen Wochenmarkt zu veranstalten.

Nachdem der Wittenberger Theologieprofessor Martin Luther (1483-1546) im Jahr 1517 seine 95 Thesen veröffentlicht hatte und damit den Auftakt für die Reformation gegeben hatte, hielt diese 1541 in Haldensleben Einzug.

1636 wütete die Pest in Haldensleben und forderte rund 2000 Opfer.

Der dreissigjähreige Krieg (1618-1648), der die Eroberung und weitgehende Zerstörung der protestantischen Stadt Magdeburg durch die kaiserlichen Truppen unter Führung Tillys 1631 mit sich brachte, berührte auch Haldensleben.

Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. eröffnete 1649 die Universität in Halle.

1661 vernichtete ein Großbrand in Haldensleben 60 Häuser und beschädigte die ab 1223 neu aufgebaute Marienkirche schwer. Mit dem Bau des später klassizistisch umgestalteten Rathauses begannen die Haldenslebener im Jahr 1701.

1680 fiel das Erzbistum Magdeburg als Herzogtum an Brandenburg. Der Nordteil des damaligen Holzkreises entsprach zu dieser Zeit im Wesentlichen dem Ohrekreis.

Nach der totalen Niederlage von Jena und Auerstedt im Jahr 1806, bei der die preussische Armee völlig aufgerieben wurde, und die zur Flucht der königlichen Familie nach Ostpreussen führte, brach der alte preussische Staat zusammen. Im anschliessenden Tilsiter Frieden verliert Preussen unter anderem auch seine westelbischen Provinzen einschließlich Magdeburg, die als Königreich Westfalen an Napoleons jüngsten Bruder Jérôme gehen.

Der Tilsiter Friede

Nach der Vernichtung der preussischen Armee bei Jena und Auerstedt verhandelte Napoleon gar nicht mehr direkt mit Preußen - die Friedensgespräche führte er gleich mit Russland - sie fanden am 25.06.1807 auf der Memel bei Tilsit in Ostpreußen statt. In der Mitte des Stromes wurde ein grosses Floß als künstliche Insel vertaut, und mit einem Zeltaufbau für die Gespräche zwischen Napoleon und Alexander I versehen.

Erst auf Fürsprache Alexanders durfte Friedrich Wilhelm III. an den Beratungen teilnehmen, jedoch nur als schweigender Beobachter. Frankreich und Russland einigten sich bald. Frankreich und Preußen auch, allerdings zu Bedingungen, die so gut wie zur Auflösung des preußischen Staates führten. Preußen verlor mehr als die Hälfte seines Territoriums und fast die Hälfte seiner Einwohner.

Erfolglos versuchte Königin Luise von Preußen im Anschluss an die Verhandlungen bei einem Treffen mit Napoleon eine Milderung der immensen Lasten, die Preußen auferlegt wurden, zu erreichen.

Der Friede von Tilsit, Gemälde von A. Melling
Friedensgespräche zwischen Zar Alexander und Napoleon auf dem Fluß Njemen (Memel).

Das Königreich Westfalen bestand von 1807-1813 und sollte der napoleonische Musterstaat sein. Es wurde von dem jüngeren Bruder Napoleons, Jérôme Bonaparte, regiert.

Nach den Niederlagen Napoleons und der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress verschwand das Königreich Westfalen wieder. 1816 entstand daraus teilweise die Preussische Provinz Sachsen, da Preussen das Königreich Westfalen (mit den altpreussischen Territorien der Altmark, Magdeburg und Halberstadt) und der Nordteil des sächsischen Königreiches zugesprochen werden.

Der Wiener Kongress (Oktober 1814 - Juni 1815)

Nach der Niederlage und Abdankung Napoleons versammelten sich die Staatsmänner und Fürsten Europas im Jahr 1815 in Wien. Den Vorsitz des Wiener Kongresses führte der damalige österreichische Aussenminister Fürst Metternich. Es ging um die Neuordnung Europas: die Wiederherstellung möglichst vieler Grenzen aus der Zeit von vor 1792 in Verbindung mit der Übernahme von Napoleon geschaffener, sinnvoller Änderungen. Schliesslich sollte eine erneute Expansion Frankreichs verhindert werden.


Im Ergebnis wurde ein Kranz mittelgrosser Staaten an Frankreichs Grenzen geschaffen. Auch wurden nichtdeutsche Mächte wie England in den Deutschen Bund aufgenommen. England war so auf dem Kontinent anwesend. Besonders auch Preussen und Oesterreich übernahmen Sicherungsaufgaben. Frankreich selbst wurde auf die Grenzen von 1792 (Beginn der Revolutionskriege) zurückgedrängt.

Die Verhandlungen wurden auch fortgeführt, als Exkaiser Napoleon I. aus dem Exil zurückkehrte und seine Macht in Frankreich im März 1815 wiederherstellte. Die Schlussakte des Kongresses wurde neun Tage vor Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo unterzeichnet.

Die Gründung der Provinz Sachsen (gegliedert in die Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg und Erfurt) veränderte die Situation an Mittelelbe, unterer Saale und Harz grundlegend: In den 130 Jahren ihrer Existenz bildete sich eine mitteldeutsche Identität aus, und ein typischer Wirtschaftsraum entstand infolge günstiger Bedingungen. Die Provinz Sachsen wurde zur reichsten preussischen Provinz

So wurde Johann Gottlob Nathusius, der Kaufmann aus Magdeburg, zum Gründer von Gewerbezweigen, die bis heute ihre Spuren in der Haldenslebener Wirtschaftsstruktur hinterlassen haben: der Keramikindustrie, dem Landmaschinenbau und der Zuckerproduktion.

Im Jahr 1816 wurde Haldensleben der Status einer Kreisstadt zugesprochen.

Haldensleben erhielt 1871 eine verbesserte Verkehrsanbindung: Die Eisenbahnstrecke Oebisfelde - Haldensleben - Magdeburg wurde in Betrieb genommen. Die Wirtschaft der Region erlebte dadurch einen zusätzlichen Aufschwung

1938 wurde die Stadt Neuhaldensleben mit Althaldensleben vereinigt. In diesem Jahr wurde auch der Mittellandkanal in Betrieb genommen - ein künstlicher Wasserweg, der besonders nach der Wiedervereinigung Deutschlands große Bedeutung gewann und deshalb seit 1993 weiter ausgebaut wird. Der Kanalbau bescherte Haldensleben zudem einen stadteigenen Hafen in Form eines ehemaligen Bauhafens.

Am 1. Juli 1944 wurde der Regierungsbezirk Erfurt dem Reichsstatthalter in Thüringen unterstellt und die restliche Provinz Sachsen in die beiden Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg aufgeteilt. Den Zweiten Weltkrieg übersteht Haldensleben bis auf drei gesprengte Brücken unversehrt.

Nach dem Krieg wurden beide Provinzen unter Einbeziehung des Landes Anhalt sowie Teilen des Landes Braunschweig zum Land Sachsen-Anhalt vereinigt, das ab 1949 Bestandteil der DDR war, jedoch bereits 1952 wieder aufgelöst wurde.

Mit der Verwaltungsreform der DDR (1952) entstand der Bezirk Magdeburg. In diesem Zusammenhang veränderten auch die Kreise Haldensleben und Wolmirstedt ihre Grenzen. So erhielt der Kreis Haldensleben (anstelle seines südlichen Teils) dreizehn, bisher zum Kreis Gardelegen gehörende Orte. Der Kreis Wolmirstedt verlor 21 Gemeinden an die Kreise Tangerhütte, Haldensleben und Wanzleben. 1979 wurde Olvenstedt noch nach Magdeburg eingemeindet.

Als Ergebnis der Deutschen Einheit und der Neugliederung des Landes Sachsen-Anhalt wurde 1994 der Landkreis Ohrekreis, bestehend aus den Altkreisen Haldensleben und Wolmirstedt zuzüglich zweier Gemeinden des Altkreises Stendal und sieben Gemeinden des Altkreises Klötze, gebildet. Hundisburg gehört dabei zum Kreis Haldensleben.

Heute wohnen in Haldensleben rund 22.000 Menschen.

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