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Magdeburg

Im Diedenhofer Kapitular Karls des Grossen findet Magdeburg (als Magadoburgs) im Jahre 805 seine erste Erwähnung. Die Lage des Ortes am Schnittpunkt von Fernhandelsstrassen mit dem Wasserweg Elbe begünstigt das Entstehen einer Siedlung. Diese Siedlung wird durch ein Kastell gesichert.

929 vermählt sich Otto, der später der Grosse genannt wird, mit Editha, einer englischen Königstochter. Sie erhält den Ort Magdeburg als Morgengabe.

Otto I (der Grosse)

geboren 23.11.912 in Wallhausen
gestorben 07.05.973 in Memleben
(bei Naumburg an der Saale)

Herzog von Sachsen
Deutscher König (936-973)
König der Langbarden
Kaiser des heiligen römischen Reiches (962-973)

 


Kaiserpaar
Otto I. und Editha
© Landesmarketing Sachsen - Anhalt


Nach dem Zusammenbruch des Karolinger Reichs setzt um die Mitte des 10. Jahrhunderts unter Otto dem Grossen ein Neubeginn ein. Die Grundlagen der heutigen europäischen Staatenwelt entstehen. Zunehmend wird heute die herausragende Bedeutung Otto des Grossen für die europäische Entwicklung erkannt.

Der spätere Otto der Grosse war der Sohn Heinrichs I., des Herzogs der Sachsen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der Krönung und Salbung durch die Kirche abgelehnt hatte, stützte der zweite sächsische Herrscher seine Macht auf die Kirche. Mit einer engen Bindung der Kirche an die (spätere) Krone nahm die Herausbildung des ottonisch-salischen Reichskirchensystems ihren Anfang. Die Kirchen erhielten Königsschutz und Immunität zugesprochen und gehörten von da an zu den Reichskirchen.

Bereits ein Jahr nach seiner Königs-Krönung gründete er 937 in Magdeburg ein Benediktiner-Kloster. Geweiht war es dem heiligen Mauritius, dem Bekämpfer der Heiden. Es erhält reichen Grundbesitz und Privilegien. Seine Schule besitzt eine weit über die Grenzen Magdeburgs hinausragende Bedeutung. Mit der Klostergründung wird Magdeburg zur neuen Metropole des deutschen Staates. Von hier aus gehen u. a. die Missionen ins slawische Nachbargebiet aus. Die Gründung zu Beginn seiner Regierungszeit ist bezeichnend für seine gesamte Politik, in der Magdeburg eine zentrale Rolle spielte: Die Stadt war Hauptsitz und erklärte Lieblingsstadt.

Das Magdeburger Erzbistum

Otto führte viele Kriege an vielen Fronten eines grossen Reiches. Um die stets aufständischen Slawen im Osten zu kontrollieren, teilte Otto deren Land in kleine Gebiete, in deren Zentren eine Burg stand - die so genannten Burgwarde. Als Stützpunkt für die geplante Christianisierung der Ostgebiete hatte der König das Magdeburger Kloster vorgesehen.

Bereits 955 hatte er vor der Ungarnschlacht dem Tagesheiligen Laurentius die Gründung eines Bistums in Merseburg gelobt. Wohl von Anfang an bestand der Plan, dieses Bistum in einen Verband von Bistümern einzubringen, die einem in Magdeburg zu errichtenden Erzbistum unterstellt werden sollten.

Wegen seiner zentralen Lage bot sich Magdeburg als Erzbistum an. Um dafür die Zustimmung des Papstes zu erhalten, schickte er 955 den Abt Hadamar von Fulda nach Rom. Doch der Plan musste verschoben werden, weil sich Ottos Sohn Wilhelm, Erzbischof von Mainz, beim Papst gegen die Kirchenpolitik seines Vaters aussprach. Er befürchtete, sein Erzbistum zu verlieren, sollte die Vermischung von weltlichen und geistlichen Kompetenzen dem König das Recht geben, jederzeit Bistümer zu errichten.

Da Wilhelm mit seinem Rücktritt drohte, verschob der König den Plan. Erst nach dem Tod Wilhelms 968 und der vorangegangen Kaiserkrönung Ottos konnte das neue Erzbistum Magdeburg für die Ostmissionierung errichtet werden. Die Gründung war bereits 967 auf einer päpstlichen Synode beschlossen worden.

Neben den Bistümern Brandenburg und Havelberg, die aus dem Erzbistum Mainz ausgegliedert wurden, kamen noch die Neugründungen Merseburg, Zeitz, Meissen und wahrscheinlich auch Oldenburg zum Erzbistum hinzu. Slawische Gebiete, die noch erobert und missioniert wurden, ordnete man ebenfalls Magdeburg zu.

Die Kaiserkrönung macht Otto zu dem wohl bedeutendsten europäischen Herrscher seiner Zeit. Im letzten Jahr vor Ottos Tod zeigte sich noch einmal seine Grösse. Nicht umsonst hatten ihm schon seine Zeitgenossen den Beinamen "der Grosse" verliehen. Auf dem Quedlinburger Osterhoftag versammelten sich Gesandte der Russen, Slawen, Griechen, Bulgaren, Ungarn, Dänen und andere mehr. Mit dem Böhmenherzog verhandelte Otto I. über die Gründung eines Prager Bistums. In Merseburg traf der Kaiser sich sogar mit einer Gesandtschaft aus Afrika.

Tod in Memleben

Nach einem schweren Fieber starb Otto der Grosse am 07.05.973 in der Pfalz in Memleben. Seine letzte Ruhe fand er in der Magdeburger Kathedrale neben seiner ersten Frau Edgith von England. Ihr hatte er Magdeburg zur Morgengabe bestimmt. Was Aachen für Karl den Grossen war, bedeutete Magdeburg für Otto den Grossen.

Der Sohn Otto des Grossen, Otto der II. bestätigte nach der Thronbesteigung 973 die väterlichen Schenkungen und Privilegien an die erzbischöfliche Kirche in Magdeburg.

975 verlieh Otto II. den Magdeburger Kaufleuten die Zollfreiheit im Reich und entband sie von der Entrichtung von Abgaben.

Am Karfreitag des Jahrs 1207 fiel der ottonische Dom einem Brand zum Opfer. Zwei Jahre später, 1209, begann Erzbischof Albrecht, der in Frankreich seine Ausbildung erhalten hatte, mit dem Neubau eines Domes nach französischem Vorbild. Er war der erste gotische Sakralbau auf deutschem Boden.

Der Erzbischof musste 1294 den Magdeburger Bürgern kommunale Hoheitsrechte zuerkennen. Der Rat erwarb das Schultheissenamt und damit die volle Gerichtsbarkeit.

Zum Ende des 13. Jahrhunderts wird Magdeburg Mitglied der Hanse.

1497 ist Martin Luther als Schüler in Magdeburg.

Magdeburg als Zentrum der Reformation

In Magdeburg erreichte 1524 die antiklerikale Stimmung einen Höhepunkt. Teile des Rates wollten der Reformation Martin Luthers folgen. Bürgermeister Nicolaus Sturm rief Luther nach Magdeburg. Dieser predigte am 26. Juni in der Johanniskirche. Noch im gleichen Jahr wurde die katholische Messe abgeschafft. Magdeburg hatte sich zum Protestantismus bekannt. Nur das Domkapitel mit der Stiftskirche St. Sebastian, St. Nicolai und St. Gangolphi sowie die Klöster der Franziskaner, Dominikaner und Prämonstratenser blieben katholisch. Martin Luther schickte Nikolaus von Amsdorf nach Magdeburg. Dieser richtete im ehemaligen Augustinerkloster eine Stadtschule ein, die sich grosser Berühmtheit erfreute.

Martin Luther

geboren 10.11.1483
gestorben 18.02.1546

Kurz nach Luthers Geburt zog der Vater, ein Bauernsohn, 1484 von Eisleben nach Mansfeld und versuchte dort, die Existenz der Familie durch Beteiligungen im Kupferbergbau zu verbessern. Dies erreichte er - 1491 lebte die Familie in wohlhabenden Verhältnissen.

 


Martin Luther
gemalt von Lucas Cranach
© Landesmarketing Sachsen - Anhal

Kindheit und Jugend

Martin Luther besuchte in Mansfeld die Lateinschule, in der noch mittelalterliche Lehrmethoden vorherrschten. Luther war ein stiller und zurückhaltender, durch die strenge Ordnung eingeschüchterter, aber auch begabter Schüler.

1497 besuchte Luther in Magdeburg die Schule der "Brüder vom gemeinsamen Leben" und kam von dort 1498 nach Eisenach zu Verwandten. Dort lernte er in der städtischen Pfarrschule in Eisenach.

Die finanzielle Situation der Familie erlaubte es, dass Luther 1501 ein Studium an der Universität Erfurt beginnen konnte. Vater Hans Luther hoffte, dem begabten Sohn mit einem Jurastudium zu einer guten Existenz als Jurist zu verhelfen. Das Studium dauerte bis 1505.

Der Mönch

Bei einem schweren Sturm verpflichtete sich Luther nach der Legende, Mönch zu werden. Er ging 1505 in das Augustinerkloster in Erfurt, wo er 1506 sein Mönchsgelübde ablegte. Das Mönchsleben war zu seiner Zeit hart, es wurde bestimmt durch Fasten, Beten und Arbeiten. Der Tag der Mönche begann um 3.00 Uhr mit dem ersten Stundengebet. Diese Zeit prägte Luther sehr, hier fand er den engen Bezug zur Bibel, der sein spätes Arbeiten und seine Schriften kennzeichnen sollte.

1507 wurde Luther in Erfurt zum Priester geweiht. In diesem Jahr begann er auch ein Theologiestudium in Erfurt. Er studierte Scholastik, kam aber auch mit den Ideen der Humanisten in Berührung.

Die Thesen

Seit 1514 war Luther nicht nur Theologieprofessor an der Wittenberger Universität, sondern auch Prediger in der Wittenberger Stadtkirche. Somit hatte er für eine Gemeinde zu sorgen und stellte bald fest, dass die Wittenberger nicht mehr zu ihm in die Beichte kamen, sondern statt dessen in die brandenburgischen oder anhaltinischen Städte wie Jüteborg oder Zerbst reisten, um dort Ablassbriefe (vor allem den Petersablass) zu kaufen.

Der Handel mit Ablassbriefen nahm seit 1507 dramatisch zu, da die Kurie in Rom und der mit dem Ablasshandel in Deutschland beauftragte Bischof Albrecht von Brandenburg in immer stärkere Geldnot gerieten. In Anhalt und Brandenburg wurden die Ablassbriefe auch vom berüchtigten Dominikanermönch Johann Tetzel verkauft.

Nachdem Luther bereits einige Zeit gegen den Ablasshandel gepredigt hatte, schrieb er am 31.10.1517 dazu an den Bischof und legte diesem Schreiben 95 Thesen bei, die als Grundlage für eine Diskussion zu diesem Thema dienen sollten. Seit Ende 1517 waren dann auch Drucke der Luther'schen Thesen in Leipzig, Nürnberg und Basel im Umlauf. Es kam zu Zustimmung und Ablehnung bei Bevölkerung, Klerus und Adel.

Die päpstliche Kurie reagierte auf den vermeintlichen Ketzer drastisch: 1518 wurde in Rom der Ketzerprozess eröffnet. Nach der Wahl Karls V. zum Kaiser wurde der Kampf gegen Luther und seine Anhänger auch von dem aufgenommen. Beim Reichstag in Worms wurde auf Luther die Reichsacht verhängt. Er flüchtete er auf die Wartburg.

Wartburg

1521 liess der sympathisierende Kurfürst Friedrich der Weise Luther auf die Wartburg bei Eisenach bringen. Luther nannte sich dort Junker Jörg und widmete sich im Exil einer neuen Aufgabe: er übersetzte in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Das später noch von Melanchton und anderen Spezialisten bearbeitete Werk erschien erstmalig 1522 in gedruckter Form. Später folgten auch erste Teile des Alten Testamentes, 1534 erschien die Gesamtausgabe der Bibel in deutscher Sprache.

Die Reformation

Die reformatorischen Ideen wurden während Luthers Abwesenheit in Wittenberg, das zum Zentrum der Reformation geworden war, auch praktisch umgesetzt. 1521 heirateten drei Priester, auch der Gottesdienst wurde reformiert. Luther hielt engen Briefkontakt zu seinen Mitstreitern in Wittenberg und kehrte 1522 nach Wittenberg zurück.

In den Jahren 1522 bis 1524 führte Luther Predigtreisen in ganz Mitteldeutschland durch.

1525 heiratete er die 1523 aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma entflohene Nonne Katharina von Bora. Das Paar bekam sechs Kinder.

Auf seiner letzten Reise in seine Geburtsstadt Eisleben starb Luther am 18. Februar 1546. Nach zweitägiger Aufbahrung in Eisleben wurde er über Halle und Bitterfeld nach Wittenberg überführt. Am 22. Februar wurde Luther in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.

1531 trat Magdeburg dem Schmalkaldischen Bund bei, einen Zusammenschluss von Fürsten, die die Reformation gegen den 1526 gebildeten Dessauer Bund verteidigte. Der Dessauer Bund war eine Vereinigung altgläubiger Fürsten, zu deren Mitinitiator der Magdeburger Erzbischof Albrecht gehörte.

Über Magdeburg wurde 1547 die Reichsacht verhängt, da es sich dem Kaiser nicht unterwerfen wollte. Die Stadt galt als Hort des Protestantismus.

Auf dem Augsburger Reichstag wurde 1548 das Interim verkündet. Nur Magdeburg widersetzte sich dem Versuch, den Katholizismus als einziges Glaubensbekenntnis anzuerkennen. Magdeburg wurde in Folge zum Zentrum des Widerstandes gegen das Interim. Viele Anhänger der Reformation suchten hier Zuflucht, darunter Flacius Illyrius, ein führender Vertreter der Bewegung des Interim. Auch Flugschriften wurden gedruckt und Magdeburg erhielt seinen Namen als "Unseres Herrgotts Kanzlei".

Kaiser Ferdinand I. sprach Magdeburg 1562 von der Reichsacht los.

Im Jahr 1567 hielt Siegfried Sack im Magdeburger Dom den ersten evangelischen Gottesdienst ab.

Otto von Guericke, der spätere Bürgermeister, Erfinder und Diplomat, wurde 1602 in Magdeburg geboren.

Otto von Guericke

Otto Gericke wurde am 30.11.1602 als Sohn des Hans Gericke aus Magdeburg und der Margaretha Zweydorfs aus Braunschweig geboren. Er studierte in Leipzig, Helmstedt, Jena und Leiden und ist eng mit der Geschichte der Stadt Magdeburg im 17. Jahrhundert verflochten. 1631 erlebte Gericke ihre Zerstörung durch Tilly und den schweren Wiederaufbau bis 1680. In dieser Zeit war er 50 Jahre als Ratsherr, davon 30 Jahre als Bürgermeister und 20 Jahre als Diplomat in Mitteleuropa tätig. Er nahm erfolgreich an den Westfälischen Friedensverhandlungen von 1646 bis 1649 teil, hatte Audienzen bei Fürsten und Kaisern. Hier setzte er auch seine Magdeburger Versuche ein, um über die kuriosen Experimente zu diplomatischen, Magdeburg betreffenden Gesprächen und Verhandlungen zu

 


Otto von Guericke
Buchcover
"Experimenta Nova Magdeburgica De Vacko Spatio"

kommen. Diese Magdeburger Versuche mit derVakuumluftpumpe, der Galgenversuch, die Wettervorhersage mit dem Wettermännchen, die Erfindung der Schwefelkugel und natürlich die berühmten Magdeburger Halbkugeln machten ihn als Naturforscher, Erfinder und Ingenieur europaweit bekannt. Otto Gericke wurde 1661 von Kaiser Leopold I. geadelt. Er nannte sich fortan Otto von Guericke. Am 11.05.1686 starb er in Hamburg. Sein Leichnam wurde per Schiff nach Magdeburg überführt und am 2. Juli im Erbbegräbnis der Johanniskirche zu Magdeburg beigesetzt.

Otto von Guericke war das letzte deutsche Universalgenie und einer der grössten Söhne der Stadt Magdeburg.

Der Dreissigjährige Krieg und die preussische Festung

Eine wirtschaftliche Notlage und die während des Dreissigjährigen Krieges drohende Rekatholisierung führten zu inneren und äusseren Verwicklungen, in deren Folge der alte Rat abgesetzt wurde. Der neue Rat ging ein Bündnis mit Schweden ein. Dadurch kam es 1629 zur Belagerung der Stadt durch kaiserliche Truppen.

1631 erstürmten die kaiserlichen Truppen die Stadt und zerstörten sie völlig. Nur der Dom, ein Kloster und einige Häuser am Domplatz blieben erhalten. Die Zahl der Toten konnte nie ermittelt werden. Es können bis zu 20.000 Opfer gewesen sein.

Magdeburg hatte 1639 nur noch 450 Einwohner. Vor dem Dreissigjährigen Krieg waren es noch etwa 30.000.

Im Jahr 1666 traf Feldmarschall Sparr mit einer Armee von 15.000 Mann bei Magdeburg ein. Eine ständige kurbrandenburgische Garnison zog damit in Magdeburg ein.

Nach dem Tod des letzten kursächsischen Administrators fiel das ehemalige Erzstift Magdeburg 1680 als Herzogtum Magdeburg de jure an das Kurfürstentum Brandenburg. Nach über 700 Jahren war Magdeburg damit kein Erzbistum mehr.

Der Grosse Kurfürst erliess 1685 das Potsdamer Edikt. Es gestattete die Einwanderung von Hugenotten, die wegen Ihres Glaubens in Frankreich verfolgt wurden. In Magdeburg entstand nach Berlin die grösste französische Kolonie.

Von 1702 - 1747 war Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der "Alte Dessauer", als Festungsgouverneur in Magdeburg eingesetzt. Unter ihm wurde Magdeburg zur stärksten preussischen Festung ausgebaut. Er liess aber auch die Strassen der Altstadt neu anlegen oder begradigen, baufällige Häuser abreissen und neue errichten. Viele barocke Bauten entstanden. Der Domplatz wurde zum Exerzierplatz umgestaltet.

Preussen führte 1757 Krieg mit Österreich und anderen Staaten. Auf Befehl König Friedrichs II. wurde die königliche Familie in Magdeburg im mittlerweile erbauten Stadtschloss einquartiert.

1785 kam Johann Gottlob Nathusius von Berlin nach Magdeburg und übernahm ein Jahr später das Sengewald'sche Handelskontor.

Im Jahr 1802 wurde Nathusius in den Magdeburger Bürgerschaftsausschuss gewählt.

Magdeburg während der napoleonischen Fremdherrschaft

Der Festungsgouverneur General von Kleist kapitulierte 1806 mit 20 Generälen, 800 Offizieren und über 20.000 Soldaten sowie mit 800 Kanonen nach knapp dreiwöchiger Belagerung vor nur 7.000 Franzosen. Die preussische Garnison rückte nach der Kapitulation aus der Stadt ab.

1807 wurde Magdeburg dem neugeschaffenen Königreich Westfalen zugeschlagen und zur Hauptstadt des Elbdepartements bestimmt. Mit dem Königreich Westfalen wollte Napoleon einen Modellstaat schaffen, der sich durch die französischen Errungenschaften der vorangegangenen Jahre der Nach-Revolutionszeit auszeichnen sollte. Unter anderem wurden das französische Zivilgesetzbuch, der Code Napoléon, eingeführt und eine allgemeine Bodenreform angedacht. Darüber hinaus sollte eine ganze Reihe weitergehender Reformen umgesetzt werden.

Jérôme Bonaparte

geboren 15.11.1784 in Ajaccio
gestorben 24.06.1860 bei Massy

König von Westfalen

Jérôme Bonaparte war der jüngste Bruder Napoleons. Er begann seine militärische Karriere bei der Marine, verliebte sich während eines Amerika-Aufenthalts in Elisabeth Patterson, die er 1803 gegen den Willen Napoleons heiratete. Dieser brach deshalb bis 1805 den Kontakt zu ihm ab. Im Krieg gegen Preussen besetzte Jérôme mit der Grande Armée Schlesien. Nach dem Frieden von Tilsit 1807 und der Scheidung von seiner ersten Frau
 


Jerome Bonaparte

heiratete er 1807 Katharina Prinzessin von Württemberg, und erhielt das neu geschaffene Königreich von Westfalen.

Seine Herrschaft dauerte bis 1813, der so bezeichnete "König Lustig" widmete sich zwar vorwiegend den höfischen Vergnügungen, leitete aber auch einige Reformen ein. Er wirkte bei wichtigen Schlachten seines Bruders mit, so dem Russlandfeldzug 1812 und auch bei Waterloo 1815. Nach dessen Niederlage ging auch er bis 1847 ins Exil, wurde 1850 Marschall von Frankreich und 1852 Präsident des französischen Senats.

Am 18.04.1808 wurde Johann Gottlob Nathusius als Abgeordneter Magdeburgs in den Reichstag nach Kassel gewählt.

Ab 1812 verlegte Nathusius seinen Wohnsitz und seine unternehmerischen Aktivitäten zunehmend nach Althaldensleben und Hundisburg. Die Tabakfabrikation sowie das Handelsgeschäft blieben allerdings in Magdeburg.

Magdeburg wurde 1815 (nach der Niederlage Napoleons bei der Schlacht von Waterloo) zur Hauptstadt der preussischen Provinz Sachsen, die sich aus den Regierungsbezirken Magdeburg, Merseburg und Erfurt zusammensetzte.

Das Zeitalter der industriellen Revolution

Im Jahr 1818 lebten in Magdeburg 35.824 Einwohner. Jeder Siebente war ein Soldat. Das erste Dampfschiff aus Hamburg traf im Magdeburger Hafen ein.

Samuel Aston liess sich 1828 in Magdeburg nieder und gründete eine Maschinenfabrik (ab 1840 die Gräflich Stolberg'sche Maschinenfabrik).

1824 entwarf der königlich-peussische Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné den Plan für den Klosterbergegarten, einem der ältesten deutschen Volksgärten. In der Neustadt wurde die neue Nicolaikirche, die nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel entstand, eingeweiht. Sie gilt als der bedeutendster Bau des Klassizismus in Magdeburg.
Die Berlin-Potsdam-Magdeburger-Eisenbahn-Gesellschaft stellte 1846 die Strecke Berlin-Magdeburg fertig.
 


Hasselbachplatz
© www.das-alte-magdeburg.de

Hermann Gruson gründete 1855 in Buckau eine Maschinenfabrik und Eisengiesserei.

Die Gross-stadt Magdeburg

Im Jahr 1871 lebten in Magdeburg 84.401 Einwohner, einschliesslich der Militärbevölkerung. Allein in der Altstadt waren es 74.633 Einwohner.

Der Magdeburger Zentralbahnhof entstand 1873/74.

1886/87 wurden die Neustadt mit 29.032 Bewohnern und Buckau mit 17.530 Bewohnern eingemeindet. Das Lutherdenkmal vor der Johanneskirche wurde enthüllt.

Am Kaiser-Wilhelm-Platz wurde 1907 das Zentraltheater eröffnet. Es wurden zunächst überwiegend Varietéprogramme, später auch Operetten aufgeführt. Im ersten Jahr seines Bestehens kamen 385.129 Besucher in das Theater.

1908 startete Hans Grade auf dem Cracauer Anger zum ersten deutschen Motorflug.
 


Kaiser-Wilhelm-Platz
© www.das-alte-magdeburg.de

Cracau, Fermersleben, Lemsdorf, Prester, Salbke und Westerhüsen wurden 1910 eingemeindet. Magdeburg zählte damals 279.629 Einwohner.

Krieg und Nachkriegszeit

Bei den schweren Bombenangriffen auf Magdeburg 19944/45 verloren Tausende ihr Leben. Die Altstadt wurde zu 90 Prozent zerstört. Der Zerstörungsgrad der Stadt betrug 60 Prozent. Von den Betrieben waren besonders das Krupp-Gruson-Werk, das Junkerswerk und die Brabag betroffen. Mit insgesamt sechs Millionen Kubikmetern Gesamt-Trümmermasse stand Magdeburg bei durchschnittlich zwanzig Kubikmetern pro Einwohner am Ende des Krieges hinter Dresden und Köln
 


Magdeburg 1945
© www.das-alte-magdeburg.de

an dritter Stelle der am schwersten zerstörten Städte in Deutschland. Lebten vor dem Krieg in Magdeburg etwa 330.000 Menschen, so waren es im April 1945 nur noch 90.000.

Am 18.07.1945 besetzten amerikanische Verbände den Westteil Magdeburgs (bis 01.07.1945). Sowjetische Truppen nahmen am 1. Mai die östlichen Stadtteile ein. Die amerikanische Besatzungsmacht setzte einen Oberbürgermeister ein. Das Präsidium der Provinz Sachsen konstituierte sich als Selbstverwaltungsorgan.

Durch den SMAD-Befehl Nr. 180 vom 21.07.1947 wurde die Provinz Sachsen-Anhalt in Land Sachsen-Anhalt umbenannt.

1952 wurde das Land Sachsen-Anhalt aufgelöst. Auf seinem Territorium entstanden die Bezirke Magdeburg und Halle.

Magdeburg wurde 1990 die Hauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt und Mitglied des Deutschen Städtetages.

Als letzte sowjetische Truppeneinheit verliess die 3. Stossarmee 1991 Magdeburg.

Magdeburg hat heute etwa 234.000 Einwohner.

 


Magdeburger Dom
© Landesmarketing Sachsen - Anhalt

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