Magdeburg
Im
Diedenhofer Kapitular Karls des Grossen findet Magdeburg
(als Magadoburgs) im Jahre 805 seine erste Erwähnung. Die
Lage des Ortes am Schnittpunkt von Fernhandelsstrassen mit
dem Wasserweg Elbe begünstigt das Entstehen einer Siedlung.
Diese Siedlung wird durch ein Kastell gesichert.
929
vermählt sich Otto, der später der Grosse genannt wird,
mit Editha, einer englischen Königstochter. Sie erhält den
Ort Magdeburg als Morgengabe.
| Otto
I (der Grosse)
geboren 23.11.912
in Wallhausen
gestorben 07.05.973 in Memleben (bei Naumburg
an der Saale)
Herzog
von Sachsen
Deutscher König (936-973)
König der Langbarden
Kaiser des heiligen römischen Reiches (962-973)
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 Kaiserpaar
Otto I. und Editha
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Nach dem Zusammenbruch des Karolinger Reichs
setzt um die Mitte des 10. Jahrhunderts unter
Otto dem Grossen ein Neubeginn ein. Die Grundlagen
der heutigen europäischen Staatenwelt entstehen.
Zunehmend wird heute die herausragende Bedeutung
Otto des Grossen für die europäische Entwicklung
erkannt.
Der
spätere Otto der Grosse war der Sohn Heinrichs
I., des Herzogs der Sachsen. Im Gegensatz
zu seinem Vater, der Krönung und Salbung durch
die Kirche abgelehnt hatte, stützte der zweite
sächsische Herrscher seine Macht auf die Kirche.
Mit einer engen Bindung der Kirche an die
(spätere) Krone nahm die Herausbildung des
ottonisch-salischen Reichskirchensystems ihren
Anfang. Die Kirchen erhielten Königsschutz
und Immunität zugesprochen und gehörten von
da an zu den Reichskirchen.
Bereits
ein Jahr nach seiner Königs-Krönung gründete
er 937 in Magdeburg ein Benediktiner-Kloster.
Geweiht war es dem heiligen Mauritius, dem
Bekämpfer der Heiden. Es erhält reichen Grundbesitz
und Privilegien. Seine Schule besitzt eine
weit über die Grenzen Magdeburgs hinausragende
Bedeutung. Mit der Klostergründung wird Magdeburg
zur neuen Metropole des deutschen Staates.
Von hier aus gehen u. a. die Missionen ins
slawische Nachbargebiet aus. Die Gründung
zu Beginn seiner Regierungszeit ist bezeichnend
für seine gesamte Politik, in der Magdeburg
eine zentrale Rolle spielte: Die Stadt war
Hauptsitz und erklärte Lieblingsstadt.
Das
Magdeburger Erzbistum
Otto
führte viele Kriege an vielen Fronten eines
grossen Reiches. Um die stets aufständischen
Slawen im Osten zu kontrollieren, teilte Otto
deren Land in kleine Gebiete, in deren Zentren
eine Burg stand - die so genannten Burgwarde.
Als Stützpunkt für die geplante Christianisierung
der Ostgebiete hatte der König das Magdeburger
Kloster vorgesehen.
Bereits
955 hatte er vor der Ungarnschlacht dem Tagesheiligen
Laurentius die Gründung eines Bistums in Merseburg
gelobt. Wohl von Anfang an bestand der Plan,
dieses Bistum in einen Verband von Bistümern
einzubringen, die einem in Magdeburg zu errichtenden
Erzbistum unterstellt werden sollten.
Wegen
seiner zentralen Lage bot sich Magdeburg als
Erzbistum an. Um dafür die Zustimmung des
Papstes zu erhalten, schickte er 955 den Abt
Hadamar von Fulda nach Rom.
Doch der Plan musste verschoben werden, weil
sich Ottos Sohn Wilhelm, Erzbischof von Mainz,
beim Papst gegen die Kirchenpolitik seines
Vaters aussprach. Er befürchtete, sein Erzbistum
zu verlieren, sollte die Vermischung von weltlichen
und geistlichen Kompetenzen dem König das
Recht geben, jederzeit Bistümer zu errichten.
Da
Wilhelm mit seinem Rücktritt drohte, verschob
der König den Plan. Erst nach dem Tod Wilhelms
968 und der vorangegangen Kaiserkrönung Ottos
konnte das neue Erzbistum Magdeburg für die
Ostmissionierung errichtet werden. Die Gründung
war bereits 967 auf einer päpstlichen Synode
beschlossen worden.
Neben
den Bistümern Brandenburg und Havelberg, die
aus dem Erzbistum Mainz ausgegliedert wurden,
kamen noch die Neugründungen Merseburg, Zeitz,
Meissen und wahrscheinlich auch Oldenburg zum
Erzbistum hinzu. Slawische Gebiete, die noch
erobert und missioniert wurden, ordnete man
ebenfalls Magdeburg zu.
Die
Kaiserkrönung macht Otto zu dem wohl bedeutendsten
europäischen Herrscher seiner Zeit. Im letzten
Jahr vor Ottos Tod zeigte sich noch einmal
seine Grösse. Nicht umsonst hatten ihm schon
seine Zeitgenossen den Beinamen "der
Grosse" verliehen. Auf dem Quedlinburger
Osterhoftag versammelten sich Gesandte der
Russen, Slawen, Griechen, Bulgaren, Ungarn,
Dänen und andere mehr. Mit dem Böhmenherzog
verhandelte Otto I. über die Gründung eines
Prager Bistums. In Merseburg traf der Kaiser
sich sogar mit einer Gesandtschaft aus Afrika.
Tod
in Memleben
Nach
einem schweren Fieber starb Otto der Grosse
am 07.05.973 in der Pfalz in Memleben. Seine
letzte Ruhe fand er in der Magdeburger Kathedrale
neben seiner ersten Frau Edgith von England.
Ihr hatte er Magdeburg zur Morgengabe bestimmt.
Was Aachen für Karl den Grossen war, bedeutete
Magdeburg für Otto den Grossen.
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Der Sohn Otto
des Grossen, Otto der II. bestätigte nach der Thronbesteigung
973 die väterlichen Schenkungen und Privilegien an die erzbischöfliche
Kirche in Magdeburg.
975 verlieh Otto
II. den Magdeburger Kaufleuten die Zollfreiheit im Reich
und entband sie von der Entrichtung von Abgaben.
Am Karfreitag
des Jahrs 1207 fiel der ottonische Dom einem Brand zum Opfer.
Zwei Jahre später, 1209, begann Erzbischof Albrecht, der
in Frankreich seine Ausbildung erhalten hatte, mit dem Neubau
eines Domes nach französischem Vorbild. Er war der erste
gotische Sakralbau auf deutschem Boden.
Der Erzbischof
musste 1294 den Magdeburger Bürgern kommunale Hoheitsrechte
zuerkennen. Der Rat erwarb das Schultheissenamt und damit
die volle Gerichtsbarkeit.
Zum Ende des
13. Jahrhunderts wird Magdeburg Mitglied der Hanse.
1497 ist Martin
Luther als Schüler in Magdeburg.
Magdeburg
als Zentrum der Reformation
In
Magdeburg erreichte 1524 die antiklerikale Stimmung einen
Höhepunkt. Teile des Rates wollten der Reformation Martin
Luthers folgen. Bürgermeister Nicolaus Sturm rief Luther
nach Magdeburg. Dieser predigte am 26. Juni in der Johanniskirche.
Noch im gleichen Jahr wurde die katholische Messe abgeschafft.
Magdeburg hatte sich zum Protestantismus bekannt. Nur das
Domkapitel mit der Stiftskirche St. Sebastian, St. Nicolai
und St. Gangolphi sowie die Klöster der Franziskaner, Dominikaner
und Prämonstratenser blieben katholisch. Martin Luther schickte
Nikolaus von Amsdorf nach Magdeburg. Dieser richtete im
ehemaligen Augustinerkloster eine Stadtschule ein, die sich
grosser Berühmtheit erfreute.
| Martin
Luther
geboren
10.11.1483
gestorben 18.02.1546
Kurz
nach Luthers Geburt zog der Vater, ein Bauernsohn,
1484 von Eisleben nach Mansfeld und versuchte
dort, die Existenz der Familie durch Beteiligungen
im Kupferbergbau zu verbessern. Dies erreichte
er - 1491 lebte die Familie in wohlhabenden
Verhältnissen.
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Martin Luther
gemalt von Lucas Cranach
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Kindheit und Jugend
Martin
Luther besuchte in Mansfeld die Lateinschule,
in der noch mittelalterliche Lehrmethoden
vorherrschten. Luther war ein stiller und
zurückhaltender, durch die strenge Ordnung
eingeschüchterter, aber auch begabter Schüler.
1497
besuchte Luther in Magdeburg die Schule der
"Brüder vom gemeinsamen Leben" und
kam von dort 1498 nach Eisenach zu Verwandten.
Dort lernte er in der städtischen Pfarrschule
in Eisenach.
Die
finanzielle Situation der Familie erlaubte
es, dass Luther 1501 ein Studium an der Universität
Erfurt beginnen konnte. Vater Hans Luther
hoffte, dem begabten Sohn mit einem Jurastudium
zu einer guten Existenz als Jurist zu verhelfen.
Das Studium dauerte bis 1505.
Der Mönch
Bei
einem schweren Sturm verpflichtete sich Luther
nach der Legende, Mönch zu werden. Er ging
1505 in das Augustinerkloster in Erfurt, wo
er 1506 sein Mönchsgelübde ablegte. Das Mönchsleben
war zu seiner Zeit hart, es wurde bestimmt
durch Fasten, Beten und Arbeiten. Der Tag
der Mönche begann um 3.00 Uhr mit dem ersten
Stundengebet. Diese Zeit prägte Luther sehr,
hier fand er den engen Bezug zur Bibel, der
sein spätes Arbeiten und seine Schriften kennzeichnen
sollte.
1507 wurde Luther in Erfurt zum Priester geweiht.
In diesem Jahr begann er auch ein Theologiestudium
in Erfurt. Er studierte Scholastik, kam aber
auch mit den Ideen der Humanisten in Berührung.
Die
Thesen
Seit 1514 war Luther nicht nur Theologieprofessor
an der Wittenberger Universität, sondern auch
Prediger in der Wittenberger Stadtkirche.
Somit hatte er für eine Gemeinde zu sorgen
und stellte bald fest, dass die Wittenberger
nicht mehr zu ihm in die Beichte kamen, sondern
statt dessen in die brandenburgischen oder
anhaltinischen Städte wie Jüteborg oder Zerbst
reisten, um dort Ablassbriefe (vor allem den
Petersablass) zu kaufen.
Der
Handel mit Ablassbriefen nahm seit 1507 dramatisch
zu, da die Kurie in Rom und der mit dem Ablasshandel
in Deutschland beauftragte Bischof Albrecht
von Brandenburg in immer stärkere Geldnot
gerieten. In Anhalt und Brandenburg wurden
die Ablassbriefe auch vom berüchtigten Dominikanermönch
Johann Tetzel verkauft.
Nachdem Luther bereits einige Zeit gegen den
Ablasshandel gepredigt hatte, schrieb er am
31.10.1517 dazu an den Bischof und legte diesem
Schreiben 95 Thesen bei, die als Grundlage
für eine Diskussion zu diesem Thema dienen
sollten. Seit Ende 1517 waren dann auch Drucke
der Luther'schen Thesen in Leipzig, Nürnberg
und Basel im Umlauf. Es kam zu Zustimmung
und Ablehnung bei Bevölkerung, Klerus und
Adel.
Die päpstliche Kurie reagierte auf den vermeintlichen
Ketzer drastisch: 1518 wurde in Rom der Ketzerprozess
eröffnet. Nach der Wahl Karls V. zum Kaiser
wurde der Kampf gegen Luther und seine Anhänger
auch von dem aufgenommen. Beim Reichstag in
Worms wurde auf Luther die Reichsacht verhängt.
Er flüchtete er auf die Wartburg.
Wartburg
1521 liess der sympathisierende Kurfürst Friedrich
der Weise Luther auf die Wartburg bei Eisenach
bringen. Luther nannte sich dort Junker Jörg
und widmete sich im Exil einer neuen Aufgabe:
er übersetzte in nur elf Wochen das Neue Testament
aus dem Griechischen ins Deutsche. Das später
noch von Melanchton und anderen Spezialisten
bearbeitete Werk erschien erstmalig 1522 in
gedruckter Form. Später folgten auch erste
Teile des Alten Testamentes, 1534 erschien
die Gesamtausgabe der Bibel in deutscher Sprache.
Die Reformation
Die
reformatorischen Ideen wurden während Luthers
Abwesenheit in Wittenberg, das zum Zentrum
der Reformation geworden war, auch praktisch
umgesetzt. 1521 heirateten drei Priester,
auch der Gottesdienst wurde reformiert. Luther
hielt engen Briefkontakt zu seinen Mitstreitern
in Wittenberg und kehrte 1522 nach Wittenberg
zurück.
In den Jahren 1522 bis 1524 führte Luther
Predigtreisen in ganz Mitteldeutschland durch.
1525 heiratete er die 1523 aus dem Kloster
Nimbschen bei Grimma entflohene Nonne Katharina
von Bora. Das Paar bekam sechs Kinder.
Auf seiner letzten Reise in seine Geburtsstadt
Eisleben starb Luther am 18. Februar 1546.
Nach zweitägiger Aufbahrung in Eisleben wurde
er über Halle und Bitterfeld nach Wittenberg
überführt. Am 22. Februar wurde Luther in
der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt. |
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1531
trat Magdeburg dem Schmalkaldischen Bund bei, einen Zusammenschluss
von Fürsten, die die Reformation gegen den 1526 gebildeten
Dessauer Bund verteidigte. Der Dessauer Bund war eine Vereinigung
altgläubiger Fürsten, zu deren Mitinitiator der Magdeburger
Erzbischof Albrecht gehörte.
Über Magdeburg
wurde 1547 die Reichsacht verhängt, da es sich dem Kaiser
nicht unterwerfen wollte. Die Stadt galt als Hort des Protestantismus.
Auf dem Augsburger
Reichstag wurde 1548 das Interim verkündet. Nur Magdeburg
widersetzte sich dem Versuch, den Katholizismus als einziges
Glaubensbekenntnis anzuerkennen. Magdeburg wurde in Folge
zum Zentrum des Widerstandes gegen das Interim. Viele Anhänger
der Reformation suchten hier Zuflucht, darunter Flacius
Illyrius, ein führender Vertreter der Bewegung des Interim.
Auch Flugschriften wurden gedruckt und Magdeburg erhielt
seinen Namen als "Unseres Herrgotts Kanzlei".
Kaiser Ferdinand
I. sprach Magdeburg 1562 von der Reichsacht los.
Im Jahr 1567
hielt Siegfried Sack im Magdeburger Dom den ersten evangelischen
Gottesdienst ab.
Otto
von Guericke, der spätere Bürgermeister, Erfinder und Diplomat,
wurde 1602 in Magdeburg geboren.
| Otto
von Guericke Otto
Gericke wurde am 30.11.1602 als Sohn des Hans
Gericke aus Magdeburg und der Margaretha Zweydorfs
aus Braunschweig geboren. Er studierte in
Leipzig, Helmstedt, Jena und Leiden und ist
eng mit der Geschichte der Stadt Magdeburg
im 17. Jahrhundert verflochten. 1631 erlebte
Gericke ihre Zerstörung durch Tilly und den
schweren Wiederaufbau bis 1680. In dieser
Zeit war er 50 Jahre als Ratsherr, davon 30
Jahre als Bürgermeister und 20 Jahre als Diplomat
in Mitteleuropa tätig. Er nahm erfolgreich
an den Westfälischen Friedensverhandlungen
von 1646 bis 1649 teil, hatte Audienzen bei
Fürsten und Kaisern. Hier setzte er auch seine
Magdeburger Versuche ein, um über die kuriosen
Experimente zu diplomatischen, Magdeburg betreffenden
Gesprächen und Verhandlungen zu |
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 Otto
von Guericke
Buchcover
"Experimenta Nova Magdeburgica De Vacko
Spatio"
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kommen. Diese
Magdeburger Versuche mit derVakuumluftpumpe,
der Galgenversuch, die Wettervorhersage mit
dem Wettermännchen, die Erfindung der Schwefelkugel
und natürlich die berühmten Magdeburger Halbkugeln
machten ihn als Naturforscher, Erfinder und
Ingenieur europaweit bekannt. Otto Gericke
wurde 1661 von Kaiser Leopold I. geadelt.
Er nannte sich fortan Otto von Guericke. Am
11.05.1686 starb er in Hamburg. Sein Leichnam
wurde per Schiff nach Magdeburg überführt
und am 2. Juli im Erbbegräbnis der Johanniskirche
zu Magdeburg beigesetzt.
Otto
von Guericke war das letzte deutsche Universalgenie
und einer der grössten Söhne der Stadt Magdeburg.
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Der
Dreissigjährige Krieg und die preussische Festung
Eine
wirtschaftliche Notlage und die während des Dreissigjährigen
Krieges drohende Rekatholisierung führten zu inneren und
äusseren Verwicklungen, in deren Folge der alte Rat abgesetzt
wurde. Der neue Rat ging ein Bündnis mit Schweden ein. Dadurch
kam es 1629 zur Belagerung der Stadt durch kaiserliche Truppen.
1631
erstürmten die kaiserlichen Truppen die Stadt und zerstörten
sie völlig. Nur der Dom, ein Kloster und einige Häuser am
Domplatz blieben erhalten. Die Zahl der Toten konnte nie
ermittelt werden. Es können bis zu 20.000 Opfer gewesen
sein.
Magdeburg
hatte 1639 nur noch 450 Einwohner. Vor dem Dreissigjährigen
Krieg waren es noch etwa 30.000.
Im Jahr
1666 traf Feldmarschall Sparr mit einer Armee von 15.000
Mann bei Magdeburg ein. Eine ständige kurbrandenburgische
Garnison zog damit in Magdeburg ein.
Nach
dem Tod des letzten kursächsischen Administrators fiel das
ehemalige Erzstift Magdeburg 1680 als Herzogtum Magdeburg
de jure an das Kurfürstentum Brandenburg. Nach über 700
Jahren war Magdeburg damit kein Erzbistum mehr.
Der
Grosse Kurfürst erliess 1685 das Potsdamer Edikt. Es gestattete
die Einwanderung von Hugenotten, die wegen Ihres Glaubens
in Frankreich verfolgt wurden. In Magdeburg entstand nach
Berlin die grösste französische Kolonie.
Von
1702 - 1747 war Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der "Alte
Dessauer", als Festungsgouverneur in Magdeburg eingesetzt.
Unter ihm wurde Magdeburg zur stärksten preussischen Festung
ausgebaut. Er liess aber auch die Strassen der Altstadt neu
anlegen oder begradigen, baufällige Häuser abreissen und
neue errichten. Viele barocke Bauten entstanden. Der Domplatz
wurde zum Exerzierplatz umgestaltet.
Preussen
führte 1757 Krieg mit Österreich und anderen Staaten. Auf
Befehl König Friedrichs II. wurde die königliche Familie
in Magdeburg im mittlerweile erbauten Stadtschloss einquartiert.
1785
kam Johann Gottlob Nathusius
von Berlin nach Magdeburg und übernahm ein Jahr später das
Sengewald'sche Handelskontor.
Im Jahr
1802 wurde Nathusius in den Magdeburger Bürgerschaftsausschuss
gewählt.
Magdeburg
während der napoleonischen Fremdherrschaft
Der
Festungsgouverneur General von Kleist kapitulierte 1806
mit 20 Generälen, 800 Offizieren und über 20.000 Soldaten
sowie mit 800 Kanonen nach knapp dreiwöchiger Belagerung
vor nur 7.000 Franzosen. Die preussische Garnison rückte
nach der Kapitulation aus der Stadt ab.
1807
wurde Magdeburg dem neugeschaffenen Königreich Westfalen
zugeschlagen und zur Hauptstadt des Elbdepartements bestimmt.
Mit dem Königreich Westfalen wollte Napoleon einen Modellstaat
schaffen, der sich durch die französischen Errungenschaften
der vorangegangenen Jahre der Nach-Revolutionszeit auszeichnen
sollte. Unter anderem wurden das französische Zivilgesetzbuch,
der Code Napoléon, eingeführt und eine allgemeine Bodenreform
angedacht. Darüber hinaus sollte eine ganze Reihe weitergehender
Reformen umgesetzt werden.
| Jérôme
Bonaparte
geboren
15.11.1784 in Ajaccio
gestorben 24.06.1860 bei Massy
König
von Westfalen
Jérôme
Bonaparte war der jüngste Bruder Napoleons.
Er begann seine militärische Karriere bei
der Marine, verliebte sich während eines Amerika-Aufenthalts
in Elisabeth Patterson, die er 1803 gegen
den Willen Napoleons heiratete. Dieser brach
deshalb bis 1805 den Kontakt zu ihm ab. Im
Krieg gegen Preussen besetzte Jérôme mit der
Grande Armée
Schlesien. Nach dem Frieden von Tilsit 1807
und
der Scheidung von seiner
ersten Frau
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Jerome Bonaparte
|
heiratete er 1807 Katharina Prinzessin von
Württemberg, und erhielt das neu geschaffene
Königreich von Westfalen.
Seine Herrschaft dauerte bis 1813, der so
bezeichnete "König Lustig" widmete
sich zwar vorwiegend den höfischen Vergnügungen,
leitete aber auch einige Reformen ein. Er
wirkte bei wichtigen Schlachten seines Bruders
mit, so dem Russlandfeldzug 1812 und auch
bei Waterloo 1815. Nach dessen Niederlage
ging auch er bis 1847 ins Exil, wurde 1850
Marschall von Frankreich und 1852 Präsident
des französischen Senats. |
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Am
18.04.1808 wurde Johann Gottlob Nathusius als Abgeordneter
Magdeburgs in den Reichstag nach Kassel gewählt.
Ab
1812 verlegte Nathusius seinen Wohnsitz und seine unternehmerischen
Aktivitäten zunehmend nach Althaldensleben
und Hundisburg. Die Tabakfabrikation
sowie das Handelsgeschäft blieben allerdings in Magdeburg.
Magdeburg wurde
1815 (nach der Niederlage Napoleons bei der Schlacht von
Waterloo) zur Hauptstadt der preussischen Provinz Sachsen,
die sich aus den Regierungsbezirken Magdeburg, Merseburg
und Erfurt zusammensetzte.
Das
Zeitalter der industriellen Revolution
Im Jahr 1818
lebten in Magdeburg 35.824 Einwohner. Jeder Siebente war
ein Soldat. Das erste Dampfschiff aus Hamburg traf im Magdeburger
Hafen ein.
Samuel
Aston liess sich 1828 in Magdeburg nieder und gründete eine
Maschinenfabrik (ab 1840 die Gräflich Stolberg'sche Maschinenfabrik).
1824
entwarf der königlich-peussische Gartenarchitekt Peter
Joseph Lenné den Plan für den Klosterbergegarten,
einem der ältesten deutschen Volksgärten. In der Neustadt
wurde die neue Nicolaikirche, die nach Plänen von
Karl Friedrich Schinkel entstand, eingeweiht. Sie
gilt als der bedeutendster Bau des Klassizismus in
Magdeburg. Die Berlin-Potsdam-Magdeburger-Eisenbahn-Gesellschaft
stellte 1846 die Strecke Berlin-Magdeburg fertig. |
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Hermann
Gruson gründete 1855 in Buckau eine Maschinenfabrik und
Eisengiesserei.
Die
Gross-stadt Magdeburg
Im Jahr 1871
lebten in Magdeburg 84.401 Einwohner, einschliesslich der
Militärbevölkerung. Allein in der Altstadt waren es 74.633
Einwohner.
Der Magdeburger
Zentralbahnhof entstand 1873/74.
1886/87
wurden die Neustadt mit 29.032 Bewohnern und Buckau mit
17.530 Bewohnern eingemeindet. Das Lutherdenkmal vor der
Johanneskirche wurde enthüllt.
Am
Kaiser-Wilhelm-Platz wurde 1907 das Zentraltheater
eröffnet. Es wurden zunächst überwiegend Varietéprogramme,
später auch Operetten aufgeführt. Im ersten Jahr seines
Bestehens kamen 385.129 Besucher in das Theater.
1908
startete Hans Grade auf dem Cracauer Anger zum ersten
deutschen Motorflug. |
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Cracau,
Fermersleben, Lemsdorf, Prester, Salbke und Westerhüsen
wurden 1910 eingemeindet. Magdeburg zählte damals 279.629
Einwohner.
Krieg
und Nachkriegszeit
Bei
den schweren Bombenangriffen auf Magdeburg 19944/45
verloren Tausende ihr Leben. Die Altstadt wurde zu
90 Prozent zerstört. Der Zerstörungsgrad der Stadt
betrug 60 Prozent. Von den Betrieben waren besonders
das Krupp-Gruson-Werk, das Junkerswerk und die Brabag
betroffen. Mit insgesamt sechs Millionen Kubikmetern
Gesamt-Trümmermasse stand Magdeburg bei durchschnittlich
zwanzig Kubikmetern pro Einwohner am Ende des Krieges
hinter Dresden und Köln |
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an dritter Stelle der am schwersten zerstörten Städte
in Deutschland. Lebten vor dem Krieg in Magdeburg
etwa 330.000 Menschen, so waren es im April 1945 nur
noch 90.000. |
Am
18.07.1945 besetzten amerikanische Verbände den Westteil
Magdeburgs (bis 01.07.1945). Sowjetische Truppen nahmen
am 1. Mai die östlichen Stadtteile ein. Die amerikanische
Besatzungsmacht setzte einen Oberbürgermeister ein. Das
Präsidium der Provinz Sachsen konstituierte sich als Selbstverwaltungsorgan.
Durch
den SMAD-Befehl Nr. 180 vom 21.07.1947 wurde die Provinz
Sachsen-Anhalt in Land Sachsen-Anhalt umbenannt.
1952
wurde das Land Sachsen-Anhalt aufgelöst. Auf seinem
Territorium entstanden die Bezirke Magdeburg und Halle.
Magdeburg
wurde 1990 die Hauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt
und Mitglied des Deutschen Städtetages.
Als
letzte sowjetische Truppeneinheit verliess die 3.
Stossarmee 1991 Magdeburg.
Magdeburg
hat heute etwa 234.000 Einwohner.
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Magdeburger Dom
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