Althaldensleben
Im
Jahre 1228 wird in Althaldensleben ein Zisterzienserinnen-Kloster
gegründet. Ob es sich um eine Neugründung durch den Erzbischof
von Magdeburg, Albrecht I (bzw. Albert II. von Käfernburg)
oder die Wiederbesiedlung eines älteren, aufgelassenen Klosters
von Bendektinnerinnen handelt, kann nicht mehr eindeutig
festgestellt werden. Die neuen Nonnen kommen jedenfalls
aus dem Städtchen Wölkingerode bei Hildesheim. Das Kloster
ist der Gottesmutter Maria und dem Apostel Jakobus geweiht
und erhält das Pfarrrecht des Ortes. Bald schon legen die
Nonnen ausgedehnte Gärten und einen Weinberg an.
Von
1262 bis 1285 ist Helena I. die Äbtissin des Klosters. Sie
soll den Bau des eigentlichen Konvents-Gebäudes veranlasst
haben. Die Umfassungsmauern der frühgotischen Klosterkirche
mit Resten der Fenster und des Sandstein-Tympanons sind
bis heute erhalten.
Unter
der Äbtissin Jutta I. wird ab 1344 das Gebiet des Klosters
durch Zukauf und Tausch stark erweitert. So werden unter
anderem die Landwirtschaften Glüsig, Wedringen und Vahldorf
in das Klostergebiet eingegliedert.
Im
Jahr 1557 wird Sophie von Alvensleben die neue Äbtissin.
Sie führt das Kloster geschickt durch die schwierige Zeit
der Reformation in Deutschland. Obwohl es seit 1562 einen
evangelischen Pfarrer gibt, bekennen sich bis 1577 von den
im Kloster lebenden 36 Nonnen und 33 Laienschwestern nur
7 zur evangelischen Lehre.
Ab
1704 wird Anna Margartha Schlebusch Äbtissin. Unter ihrer
Führung erlangt das Kloster (nach verheerenden Pest- und
Kriegszeiten) eine neue Blüte. Schlebusch veranlasst den
Neubau des Klostergebäudes, sowie die Trennung der Klosterkirche
in einen evangelischen sowie einen katholischen Bereich
(durch Errichtung einer Mauer). Später veranlasst sie auch
den Neubau von Klausur und Wirtschaftshof.
Die
letzte Äbtissin des Klosters wird 1766 Maria Lodovica Dedereich.

© Mark Nikolaus
von Nathusius
Im
Jahr 1806 erfolgt die Besetzung der westelbischen Gebiete
durch die Franzosen mit der sich anschliessenden Gründung
des Königsreiches Westfalen. 1810 erfolgt die Aufhebung
und Säkularisierung des Klosters von der westfälischen Regierung
unter König Jérome Bonaparte von Westfalen.
Im
selben Jahr (1810) erwirbt Johann
Gottlob Nathusius das säkularisierte Kloster für 450.000
Franken. Das Gut hat damals wohl eine Grösse von 1098 Hektar,
das dazugehörende Vorwerk Glüsig
hat noch einmal 190 Hektar. Die Grössenordnungen weiterer
Vorwerke sind unbekannt. Neben der Einführung einer modernen
Landwirtschaft kommt es zur stückweisen Anlage eines grossen
Landschaftsparks und von Baumschulen.

Gartenseite,
© Mark Nikolaus von Nathusius
1813
wird durch Johann Gottlob Nathusius eine Zuckerfabrik in
Althaldensleben gegründet.
1824
wird eine Porzellanfabrik errichtet.
Im selben Jahr besucht Carl Leberecht Immermann Althaldensleben
und verarbeitet seine Eindrücke im Roman "Die Epigonen".
Der
erste Katalog der Nathusius'schen Baumschulen wird 1825
herausgegeben.
1830
wird der Neubau der Simultankirche in Althaldensleben
durch Johann Gottlob Nathusius fertiggestellt und eingeweiht.
Nach
dem Tod von Johann Gottlob Nathusius im Jahr 1835 übernimmt
Philipp Engelhard von Nathusius
das Herrenhaus, den Wirtschaftshof und die zugehörigen Vorwerke.
Im Anschluss an seine Heirat mit Marie
Scheele beziehen beide das Althaldenslebener Gutshaus.

Gelbes Zimmer
1893, © Mark Nikolaus von Nathusius
Bettina
von Arnim besucht 1839 ihren Briefpartner Philipp von Nathusius
auf Althaldensleben.
Im
Jahre 1843 findet August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
nach seiner Suspendierung in Breslau Aufnahme bei Philipp
von Nathusius in Althaldensleben.
1847
erfolgt die Gründung eines (ersten) Rettungshauses für verwahrloste
Kinder in Althaldensleben durch das Ehepaar Nathusius.
Zwei
Jahre später - 1849 - übergibt Philipp von Nathusius das
Gut Althaldensleben an seinen Bruder Heinrich
von Nathusius, übernimmt Neinstedt,
und gründet dort ein weiteres Rettungshaus (Lindenhof).

Hofseite, ca.
1890, © Mark Nikolaus von Nathusius
Nach
dem Tode Heinrichs von Nathusius wird Althaldensleben 1890
von seinen Erben an Carl von Dippe verkauft. Es gelangt
von ihm an dessen Schwiegersohn Hans Karl Friedrich Mackensen
von Astfeld. Der muss das Gut 1932 in der Wirtschaftskrise
aufgeben, woraufhin die Anlage von Dr. Hugo Henkel, dem
damaligen Chef des gleichnamigen Waschmittelkonzerns, für
seinen Sohn Paul gekauft wird.
Nach
Kriegsende wird das frühere Klostergut im Jahre 1945 sowjetische
Wirtschaft Nr. 165. Die Henkels werden 1949 enteignet, das
Gut der Bodenreform unterworfen. Das ehemalige Klostergebäude
wird nun auch als Gemeindeverwaltung, Schwesternstation,
Kindergarten und Jugendheim genutzt.

2004,
© Felix von Nathusius
1952
ziehen in das Herrenhaus die örtliche Volksschule sowie
gewerbliche Berufsschulen ein.
1953
erfolgt die Gründung der LPG "Vorwärts", Haldensleben.

2004,
© Felix von Nathusius
1995
beschliesst der Kreistag, auf dem Gelände des Gutes ein
Berufsschulzentrum für 1800 Vollschüler einzurichten. Es
folgen umfangreiche Renovierungs-, Abriss- und Neubauarbeiten,
teilweise finanziert aus EU-Mitteln.
2000
erfolgt die Einweihung und Nutzung der Gesamtanlage.